Es war nur eine Frage der Zeit, bis nach der Rinderseuche und dem Medikamentenskandal in der Schweinemast die ersten Fälle von pestizidverseuchtem Gemüse und Obst auftauchen würden. Es war absehbar, denn der Verbrauch an Chemikalien in der Landwirtschaft steigt stetig an, und irgendwann musste das ja an den Endprodukten ablesbar sein. Wie viel an Pestiziden und anderen Giftstoffen auf die Felder gelangen, was die heimischen Bauern so alles an Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel direkt aus steuerschonenden Ländern wie Luxemburg importieren, wird de facto nicht kontrolliert. Die Kontrolle ist Ländersache - und dort fehlt es an Personal. Dass wir überhaupt Bescheid wissen über die Giftcocktails in den Obst- und Gemüseregalen der Supermärkte, verdanken wir EU-Berichten und privaten Umweltorganisationen wie Global 2000, die auf eigene Kosten Lebensmittel testen lassen. Natürlich verfügen die Ministerien für Landwirtschaft und Gesundheit auch über eigene Untersuchungsergebnisse. Diese werden aber wie Geheimpapiere in Tresoren aufbewahrt.

Die Konsumenten stehen vor einem unlösbaren Problem: Entweder sie verzehren die mit Medikamenten gedopten Schweine oder mit Pestiziden belastetes Obst und Gemüse und schaden ihrer Gesundheit, oder sie boykottieren die konventionellen Agrarprodukte und kaufen teure Biowaren. Dann aber setzt das Gejammer der Bauernvertreter ein, Umsatzeinbußen werden beklagt, und der Landwirtschaftsminister öffnet wieder irgendeine Subventionsschatulle, um die Schäden zu begleichen. Für die letztlich aber erst wieder die Konsumenten mit ihren Steuergeldern aufkommen.

So wie es ausschaut, zahlen im "Feinkostladen Europas" eigentlich nur die Konsumenten drauf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2002)