Sie hat das Zeug zum weiblichen "Gottseibeiuns" der österreichischen katholischen Kirche. Christine Mayr-Lumetzberger, Hauptschullehrerin in Marchtrenk bei Linz, will katholische "Priesterin" werden. Und das sehr zum Ärger und Leidwesen der Bischöfe, die ihr nun unverhohlen mit der Exkommunikation drohen. "Es gibt schon Leute innerhalb der Kirche, die sich im Ton vergreifen", sagt sie dann. Als "Feind" würde sie trotz Anfeindungen nie jemanden bezeichnen. Sie habe selbst unter den Bischöfen Freunde, nur: "Wenn ich einen nenne, ist er es wahrscheinlich dann nicht mehr. Er würde totale Probleme bekommen."Für Ende des Jahres ist ihre "Priesterweihe", gemeinsam mit sechs österreichischen Kolleginnen, vorgesehen. Ein römisch-katholischer Bischof, der die Weihe vornehmen soll, sei schon gefunden, wird sie nicht müde zu betonen. Dass damit ihre Tage als Mitglied der römisch-katholischen Kirche gezählt sein könnten, irritiert sie nicht: "Ich würde ein solches Urteil nicht akzeptieren." Der Messbesuch sei auch dann Pflicht. Mayr-Lumetzbergers Leben ist zutiefst katholisch geprägt. Sie habe eine "religiöse Begabung", die sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet. 1956 in Linz als ältestes Kind geboren, interessierte sie sich sehr früh vor allem für die Mesnertätigkeit des Großvaters, zerschnitt Backoblaten zu Hostien oder spielte mit ihren drei Geschwistern die Heilige Messe nach. Damals waren die Rollen noch klar verteilt: Ihr Bruder war der Priester. Später, als 21-Jährige, trat sie in das Kloster der Benediktinerinnen des Unbefleckten Herzens Mariä ein und blieb fünf Jahre. Die "Lust am Herrn" wurde auch nicht geringer, als sie Jahre später ihre Lehrbefugnis als Religionslehrerin verlor. Mayr-Lumetzberger hat damals einen geschiedenen Vater von vier Kindern geheiratet. "Die größte Zäsur meines Lebens", findet sie noch heute. Freunde aus dem kirchlichen Umfeld distanzierten sich, finanziell standen die beiden vor dem Nichts. Offiziell hat sich Mayr-Lumetzberger wenig Freunde mit ihrem Vorpreschen in der Frage des Frauenpriestertum gemacht. Selbst Befürwortern ist die Wahl der Mittel zu brachial. Die "Priesterinnenweihe" derart durchpeitschen zu wollen sei kontraproduktiv. Freilich: Die Amtskirche hat sich schon an den vor zwei Jahren entwickelten "illegalen" Ausbildungskursen für die Frauen gestoßen. Die Kirche ist aber längst nicht die einzige Männerwelt, in der sich die Hauptschullehrerin bewegt. Mayr-Lumetzberger ist passionierte Jägerin. Selbst das Jagdhornblasen habe sie "mehr schlecht als recht" erlernt. Jagen sei ihr deswegen so wichtig, weil es die Möglichkeit biete, allein zu sein. Außerdem sei die "Pastorale am Wirtshaustisch eine der effektivsten". DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.2.2002