London - Wissenschaftler der königlichen Sternwarte in Belgien und der Catholic Université de Louvain haben via Computersimulation errechnet, dass zum Ende des Jahrhunderts die Tageslänge um rund elf hunderttausendstel Sekunden zunehmen wird. Als bisher nicht bedachte Ursache dafür sehen die Forscher ... den Treibhauseffekt, durch den sich die Land- und Wassermassen leicht anheben würden. Faktoren Bekannt ist, dass die Erdrotation keine konstante Größe ist. Zahlreiche Einflüsse wie Ebbe und Flut, Erdbeben und Vulkanausbrüche, Winde und Meeresströmungen verändern die Gewichtsverhältnisse auf der Erdkugel fortlaufend. Alle diese Masseveränderungen führen dazu, dass sich die Erde mal schneller und mal langsamer dreht, da sich die Vorgänge auf den Drehimpuls der Erde auswirken. Darüberhinaus gibt es eine Reihe mehr oder weniger regelmäßiger astronomischer Faktoren, die die Erdrotation beeinflussen (siehe linke Spalte) . Um 0,0015 Sekunden pro Jahrhundert verlangsamt sich nach früheren Messungen die Erdrotation in der langfristigen Entwicklung. Etwa die Hälte davon wird dem Einfluss des Mondes zugeschrieben, der sich im Gegenzug immer weiter von der Erde entfernt. Messbar auf längere Sicht Die Forscher setzten den Drehimpuls der Erde mit der Wirkung der Meere und der sich erwärmenden Atmosphäre in Zusammenhang. Das belgische Team analysierte die Wirkung einer jährlichen CO2-Erhöhung um ein Prozent. Dies zieht laut Computermodell in 70 Jahren die Verdoppelung der Kohlendioxid-Konzentration nach sich. Nach Ansicht der Forscher ist dies auf der Basis der derzeitigen Einwirkung durch den Menschen ein durchaus mögliches Szenario. Es zeigte sich, dass die Tageslänge beständig zunimmt. Dies schließt auch Veränderungen im Oberflächendruck auf die Landmassen, im durchnittlichen Oberflächendruck auf die Ozeane sowie Windzonen und –strömungen mit ein. Derzeit ist die Zunahme der Tageslänge sehr klein und kaum merkbar. Sie liegt im jährlichen Mikrosekunden-Bereich. Über einen längeren Zeitraum wird dieser Effekt aber messbar sein. "So werden 24 Stunden nicht mehr 24 Stunden sein, sondern ein bisschen mehr", erklärte Olivier de Viron im Gespräch mit der BBC. (pte/red)