Wien/Innsbruck - Im Zuge des Frächterskandals erhöht Luxemburg nun anscheinend den Druck auf österreichische Transportfirmen mit Sitz in Luxemburg. "Der Lizenzentzug wurde uns angedroht, wenn wir die geforderten Unterlagen nicht vorlegen", zitierte am Wochenende das WirtschaftsBlatt Helmut Sperl, Geschäftsführer der Luxemburger Transdanubia. "Wir haben wie jedes Jahr für ungarische Fahrer ungarische Versicherungskarten und Rechnungen vorgelegt." Das genüge dem Transportminister nicht mehr. Er fordere weitere Unterlagen über die Fahrer und wolle die ungarischen und Luxemburger Versicherungen vergleichen. "Es ist nicht möglich, das kurzfristig aus Ungarn zu beschaffen", sagte Sperl dem Blatt. Er werde 50 ungarische Fahrer kündigen müssen, obwohl "wir nicht illegal arbeiten". Das Tiroler Transitforum hingegen kritisierte, dass die zuständigen österreichischen Ministerien schon vor langem auf das Problem aufmerksam gemacht worden seien, aber nichts unternommen hätten. Am 9. Juli 2000 hat etwa das Transitforum in Briefen an die Minister Michael Schmid, Ernst Strasser und Martin Bartenstein sowie an diverse Behörden des Bundes und der Länder auf "illegale und vermutlich kriminelle Praktiken" im Frächtergewerbe aufmerksam gemacht. Der Bogen spannte sich von den osteuropäischen Leasingfahrern über verschiedene Arten der Abgabenhinterziehung bis zu drastischen Überschreitungen der Arbeitszeiten. Mehr als zehn Tiroler Frächter hatten sich damals einer Liechtensteiner Briefkastenfirma bedient, um billige Lkw-Lenker aus Osteuropa anzuheuern. Einer der damaligen Tiroler Drahtzieher wurde kürzlich auf Betreiben der Staatsanwaltschaft München in Südtirol verhaftet. Nach Auskunft des Obmanns der Tiroler Frächter in der Wirtschaftskammer, Josef Mariner, würden einige Verfahren noch bei den Höchstgerichten anhängig sein. "Autobahn-Cobra" Die damalige Aufforderung des Transitforums an die Minister, rigorose Schwerpunktkontrollen in ganz Österreich durchzuführen, sei laut Obmann Fritz Gurgiser "weitgehend ungehört verhallt", er wisse lediglich davon, dass das Problem Thema von Gesprächen und Tagungen gewesen sei. Gurgiser forderte die Einrichtung einer mobilen Sondereinheit zur "Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Transportgewerbe", einer "Autobahn-Cobra". (hs - DER STANDARD, Print, 18.02.2002)