Wien - "Es ist vollbracht": Mit diesen Worten sollen sich der Aufsichtsratschef der RHI, Walter Ressler, und sein Vize Friedrich Nemec noch am Freitagabend bei einer Aufsichtsratssitzung nach der außerordentlichen Hauptversammlung zum Abdanken entschieden haben. An die Stelle von Ressler tritt Gerd Peskes, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Düsseldorf und seit 1999 im Aufsichtsrat. Nemec beerbt der am Freitag frisch bestellte Aufsichtsrat Michael Gröller, Chef des Kartonriesen Mayr-Melnhof. Ressler und Nemec bleiben im Aufsichtsrat. Mit der Übergabe "an die nächste Generation" (Michael Gröller ist 60 Jahre alt) haben die beiden die Zeichen der Zeit erkennen müssen. Offizieller Grund für das Abdanken: Die überlebensnotwendige Wandelanleihe wurde mit über 98 Prozent abgesegnet, dem neuen Vorstandsvorsitzenden Helmut Draxler das Vertrauen ausgesprochen. Den Aktionären blieb wenig anderes übrig, als das von Draxler und seinem Finanzvorstand Eduard Zehetner vorgelegte Konstrukt gutzuheißen. Dabei ist die Wandelanleihe mit einer Stückelung von 40.000 Euro (550.412 S) hoch und das Bezugsrecht beschränkt. Das haben die Aktionäre geschluckt. Aufgemuckt haben sie dagegen wegen einer anderen Neuheit, die dem Vorstand aber schon seit Beginn des Jahres bekannt ist, nämlich genau seit die US-Tochter Narco am 4. Jänner unter Gläubigerschutz gestellt wurde. Seit Donnerstag sind auch die Töchter GIT und A. P. Green in diesem Status. Beide Male flossen Gelder nach Wien. Der Grund ist die Haftungsfreistellung der Unternehmen für die Zeit des Verbleibs im Chapter 11. Also zahlten Honeywell und Halliburton, beide ehemalige Mütter der nunmehrigen RHI-Töchter, 75 Mio. Dollar (84,5 Mio. Euro) an die RHI. Bis zu 260 Mio. Dollar sei der Rahmen aufstockbar, räumte Zehetner ein. Veranschlagte Verluste zu hoch Was bedeutet: Die veranschlagten Verluste von 870 Mio. Euro sind sicher zu hoch. Durch die Umwandlung der Veitsch Radex GmbH in eine OHG kann die RHI weitere 450 Mio. Euro als außerordentliche Erträge verbuchen. "Warum hat der Vorstand die Cash-Rückflüsse aus Nordamerika verschwiegen", fragte Aktionär Rupert-Heinrich Staller. "Wissen Sie, ob Großaktionäre Aktien zugekauft haben - Zukäufe, die Sie der Öffentlichkeit verschwiegen haben?" Draxler: "Insiderhandel war nie und nimmer der Fall." Anscheinend hat das Bankhaus Merck Finck zugekauft, mittlerweile sollen die Deutschen fast 30 Prozent an RHI halten. Die Finck-Gruppe stellte bei der HV über die Hälfte der Aktien. Bleibt die Hoffnung für die anderen Aktionäre, dass sie künftig nicht mehr so nah am Feuer sitzen. (Esther Mitterstieler, Der Standard, Printausgabe, 18.02.02)