Wien - Kaum Neues hat die Fernsehdiskussion "Betrifft" zur aktuellen Steuerreform-Debatte am Sonntagabend gebracht: Vertreter von ÖVP und FPÖ versprachen einen ersten Schritt für das kommende Jahr, ohne sich auf ein konkretes Volumen festzulegen. Ansonsten betonten sowohl FP-Sozialsprecher Reinhart Gaugg als auch VP-Budgetsprecher Günter Stummvoll erneut das Ziel, die Abgabenquote bis 2010 auf unter 40 Prozent zu senken. Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (S) hält dieses Vorhaben für undurchführbar. "Die erste Etappe (der Steuersenkung, Anm.) wird zweifellos der 1. 1. 2003 sein", meinte Stummvoll und betonte, dass damit auch eine Senkung der Lohnnebenkosten einher gehen müsse. Auch für Gaugg muss die Abgabensenkung "zu gleichen Teilen die Wirtschaft und die Arbeitnehmer entlasten". Dies sei Gegenstand der FP-Vorstandssitzung am Wochenende gewesen. Dort sei auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) anwesend gewesen, "der sich dazu bekannt hat". Ob eine Senkung der Lohnsteuer schon in der ersten Etappe komme, oder erst in der zweiten, wollte Stummvoll nicht beurteilen. Öllinger: Debatte unseriös Der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger hält die Debatte für "zutiefst unseriös". Die Regierung werde eine Steuerreform beschließen "und nach den Wahlen werden dann die Österreicherinnen und Österreicher wieder bluten". Für ihn geht es um eine "Reform des Steuersystems insgesamt": Der Faktor "Arbeit" müsse entlastet, Energie und Kapital dagegen stärker besteuert werden. "Hätten wir Vermögenssteuern im europäischen Durchschnitt, dann hätten wir kein Problem", so Öllinger. Das Vorhaben, die Abgabenquote bis 2010 auf unter 40 Prozent zu drücken, hält Edlinger für "absurd". Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man pro Jahr mindestens 25 Mrd. Schilling (1,82 Mrd. Euro) einsparen. Der Regierung empfahl der SP-Budgetsprecher angesichts der Konjunkturlage erneut ein Abgehen vom Nulldefizit. (APA)