Wien - Mit noch mehr kirchlicher Aufmerksamkeit für sein Bilderbuch "Das Leben des Jesus" hat wohl auch Gerhard Haderer nicht gerechnet.Nun hat die Bischofskonferenz, die gerade ihre Vollversammlung abgeschlossen hat, mit einer Stellungnahme über den "Respekt vor dem Heiligen" auf die "Verspottung der Zentralgestalt des christlichen Glaubens" reagiert. Selbstverständlich haben sich auch Religionsgemeinschaften der öffentlichen Kritik zu stellen, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Freitag. Aber das könne kein Freibrief für eine permanente Verächtlichmachung des Christentums in Österreich sein, Hier gehe es um die Fundamente der Demokratie. Schönborn: "Stellen Sie sich vor, man würde so ein Buch über die Burgenländer machen." Auf dem Programm der Konferenz standen freilich auch andere Themen: etwa Europa- und Sozialfragen. So sei es bedauerlich, dass die Religionsgemeinschaften in die Arbeiten des EU-Konvents, der eine europäische Verfassung erarbeiten soll, "nicht im ausreichendem Maß einbezogen" würden. Papst Johannes Paul II. habe in diesem Zusammenhang von einer "Ungerechtigkeit" und einer "Fehleinschätzung" gesprochen, sagte Schönborn. Zum Sozialstaatsvolksbegehren meinte er: Die Gläubigen seien mündig genug, sich selbst eine Meinung zu bilden. Diskutiert wurde auch über den Religionsunterricht. Die Bischöfe wollen ihm stärkere Konturen geben. Er solle auf die wesentlichen Fragen, die sich in einer multikulturellen Gesellschaft stellen, eine klare Antwort geben können. Karikaturist Haderer reagierte auf die Kritik gelassen: Es sei ein "Sturm im Wasserglas". (pm - DER STANDARD, Print, Sa./So., 23.03.2002)