8. Oktober 2001: Kirch übernimmt die Mehrheit von 58,3 Prozent an der Rennsportserie Formel 1 von EM.TV. Der Einstieg kostet Kirch insgesamt 1,6 Mrd. Dollar. 2. November: 2001 Der vom australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch beherrschte Premiere-Miteigentümer BSkyB droht damit, seine 22 Prozent an den verlustreichen Abonnement-Fernsehsender im Oktober 2002 an Kirch zurückzugeben. Dafür ist ein Festpreis von 1,7 Mrd. Euro vereinbart. 9. Dezember 2001: In Kirch-Kreisen wird über einen kurz bevor stehenden feindlichen Übernahmeversuch durch Murdoch gemunkelt. 11. Dezember 2001: Die Dresdner Bank fordert einen Kredit über 460 Mill. Euro von Kirch binnen zwei Wochen zurück. Drei Tage später verlängert sie das Darlehen bis zum 15. Jänner. 21. Dezember 2001: Hahn beziffert im Interview mit Reuters erstmals die Schulden der Gruppe mit bis zu 6,1 Mrd. Euro. 15. Jänner 2002: Die Dresdner Bank verlängert ihren Kredit bis April. 16. Jänner 2002: Der frühere ProSieben-Chef Georg Kofler soll Premiere als neuer Geschäftsführer sanieren. 25. Jänner 2002: Der Hamburger Axel Springer Verlag droht Kirch, seine Verkaufsoption über 767 Mill. Euro für 11,5 Prozent an ProSiebenSat.1 auszuüben. 30. Jänner 2002: Springer übt seine Verkaufsoption aus und gibt Kirch bis Ende April Zeit, die vereinbarte Summe zu überweisen. Kirch bestreitet umgehend die Gültigkeit der Option. 05. Februar 2002: Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, äußert in New York in einem Interview Zweifel an der weiteren Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe. 08. Februar 2002: BSkyB schreibt seine Beteiligung an Premiere auf Null ab. Murdoch wolle nicht weiter in Premiere investieren. 11. Februar 2002: Die HypoVereinsbank ist nach Angaben aus Branchenkreisen bereit, Kirchs 40-Prozent-Beteiligung am Springer-Verlag für 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen und ihm damit vorerst aus seinen Liquiditätsschwierigkeiten zu helfen. Auch die Dresdner Bank will sich angeblich an einer Lösung beteiligen. 14. Februar 2002: Bei zwei Treffen deutscher Großbanken wird über die Rettung Kirchs verhandelt. Fünf Banken sind unter Führung der HypoVereinsbank nach Angaben aus Kreisen dazu bereit. Die Deutsche Bank will sich aber nicht beteiligen. 22. Februar 2002: Die für Juni geplante Fusion von KirchMedia und ProSiebenSat.1 wird auf unbestimmte Zeit verschoben. 23. Februar 2001: Hahn beziffert den Schuldenstand von Kirch auf 6,5 Mrd. Euro. Erstmals schließt Leo Kirch in einem "Spiegel"-Interview auch einen Verkauf der Formel 1 nicht aus. 25. Februar 2001: In Bankenkreisen werden Berichte dementiert, wonach die Gläubigerbanken bereit seien, ihre Kredite zum Teil gegen Anteile an KirchMedia zu tauschen. Kirch engagiert drei Sanierungsexperten, darunter den Anwalt Wolfgang van Betteray. 26. Februar 2002: Mercedes-Chef Jürgen Hubbert schließt eine Übernahme von Formel-1-Anteilen von Kirch nicht aus, was die Autohersteller bisher abgelehnt hatten. 8. März 2002: Kirch betont, seine Sendergruppe ProSiebenSat.1 nicht verkaufen zu wollen, will nach Angaben aus Firmenkreisen aber seine Lokalsender in München, Berlin und Hamburg schließen. 19. März: Das Kirch-Kerngeschäft braucht nach Angaben aus Finanzkreisen zusätzliche Barmittel von 500 bis 600 Mill. Euro noch in diesem Jahr. 20. März 2002 : Kofler stellt ein Sanierungskonzept für Premiere vor. Er will den Sender mit einem rigiden Sparkurs bis 2004 in die schwarzen Zahlen führen. Die Fusion von KirchMedia und ProSiebenSat.1 wird endgültig abgesagt. 23. März 2002: Kirch muss auf Druck der Banken wahrscheinlich auch die Mehrheit an KirchMedia abgeben. Zunächst heißt es, die Banken wollten selbst vorübergehend die Anteile übernehmen und das Kapital um 800 Mill. Euro aufstocken. Auch Murdoch und Berlusconi melden ihr Interesse an. 24. März 2002: Die Minderheitsgesellschafter wollen nach Angaben aus Verhandlungskreisen die Mehrheit an KirchMedia übernehmen. Die vier Banken stünden diesem Plan aufgeschlossen gegenüber, heißt es. 25. März: Leo Kirch ist offensichtlich zum Rückzug aus seinem Kerngeschäft bereit. In einem Krisen-Gespräch mit Banken und Kirch-Managern melden auch die Investoren rund um die Medienkonzerne von Murdoch und Silvio Berlusconi ihr Interesse an der KirchMedia an. Die Banken stimmen grundsätzlich zu. 27. März: Die Banken streiten sich mit den Investoren um einen dringend notwendigen Überbrückungskredit für die KirchGruppe. Die Banken wollen nur dann 200 Mill. Euro zahlen, wenn sich die Investoren daran beteiligen. 28. März: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) meldet Bedenken gegen einen Einstieg von Berlusconi auf dem deutschen Medienmarkt an. 3. April: Die Verhandlungen zwischen Gläubigerbanken und Investoren stecken fest. Die KirchGruppe zieht einen Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft in Erwägung. 5. April: Die Verhandlungen von Banken und Investoren scheitern endgültig. 8. April: Die Kerngesellschaft KirchMedia stellt beim Münchener Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz. Die Gläubigerbanken planen offenbar eine Auffanglösung, um die rentablen Geschäfte des Unternehmens fortzuführen. 2. Mai: Der Axel Springer Verlag leitet rechtliche Schritte gegen die KirchGruppe ein, weil die insolvente KirchMedia den Kaufpreis für die Springer-Anteile an ProSiebenSat.1 Media nicht bezahlt hat. 4. Mai: Leo Kirch zeigt den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, wegen Verrats von Geschäftsgeheimnissen an. 8. Mai: Die Kirch-Bezahlsendersparte KirchPayTV stellt als zweite Säule der KirchGruppe Insolvenzantrag. 13. Mai: Der britische Bezahlfernsehsender BSkyB zieht seine Option auf den Rückverkauf seines Premiere-Anteils an die Kirch-Dachgesellschaft Taurus. Da Kirch die fälligen rund 1,7 Mrd. Euro nicht zahlen kann, rechnen Branchenkreise kurzfristig mit einem Insolvenzantrag der TaurusHolding. 10. Juni: Laut Branchenkreisen verhandelt ein Konsortium um die WAZ- Gruppe über eine Übernahme der Kernstücke der insolventen KirchMedia. 12. Juni: TaurusHolding und KirchBeteiligungen stellen Insolvenzantrag. Die Commerzbank bestätigt Interesse an der KirchMedia. 14. Juni: Die Commerzbank gibt bekannt, dass die Eckpunkte eines Konsortiums mit der WAZ-Gruppe und dem Hollywood-Filmstudio Columbia für eine Übernahme der KirchMedia feststehen. 17. Juni: Das Insolvenzverfahren für die KirchMedia wird offiziell eröffnet. Aus Branchenkreisen verlautet, dass auch die Verlage Axel Springer und Heinrich Bauer einen Einstieg bei KirchMedia prüfen. Die Geschäftsführung der Mediengruppe WAZ spricht sich unterdessen gegen eine Beteiligung an KirchMedia aus. Nach Angaben des Konzerns beruht der Beschluss auf der Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Daten und Konstellation bei KirchMedia. 19. Juni: Der Axel Springer Verlag und der Heinrich Bauer Verlag wollen gemeinsam die insolvente KirchMedia übernehmen. Dazu einigen sich der Verleger Heinz Bauer und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Verlag AG, Mathias Döpfner, auf die Gründung eines Konsortiums. Es soll die wirtschaftlichen Bedingungen des entsprechenden Engagements prüfen.(APA/dpa)