Sie hätten noch hunderte Ideen für Lokale, meint Yang Tie, der gemeinsam mit seinem Bruder Jun und deren Kumpel Ngo Dong vor kurzem das "Ra'mien" aufmachte. Dass in Wien ein gewisses Bedürfnis nach Alternativen zum ewig gleichen Antipasti-Teller oder zum Tafelspitzsülzchen mit Jungzwiebel und Kernöl besteht, zeigt sich an der Auslastung dieses cool und urban gestylten Nudel- und All Asia-Lokals: Jeden Tag zweimal voll, Reservierungen am besten schon mindestens drei Tage im Voraus. Das letzte Mal, dass ein Beisl einen derartigen Zuspruch erlebte, war vor zwei Jahren und hieß "Haizaki-san no omise", wieder ein etwas anderes Asia-Lokal, die Leute standen bis auf die Straße. Die Bereitschaft des Publikums wäre also da, könnte man meinen. Und die Möglichkeiten sind auch noch lange nicht ausgeschöpft: Wo zum Beispiel gibt es in diesem Land einen modernen und coolen Design-Inder nach Art des "New Deli" in der Amsterdamer Haarlemmer Straat oder unzähliger Exemplare in London und Paris? Wo gibt es ein indonesisches Restaurant, in dem man in den tausend Schärfen der Reistafel schwelgen kann, und das wenn möglich nicht mit gnadenlosem Kitsch und Teak-Orgien verbrämt? Warum ist Wien die einzige Stadt der Welt, in der es so schwer ist, eine ordentliche Thai-Küche aufzutreiben? Und müssen wir wirklich schon zufrieden sein, wenn es in Wien ein einziges (wenngleich hervorragendes) vietnamesisches Restaurant gibt, und ein weiteres (wenngleich höchstwahrscheinlich eher auf der design-vietnamesischen Ebene befindliches) demnächst aufsperrt? Die jungen Leute, die das machen könnten, wären zweifellos da, meint Yang Tie, nur das Geld dafür haben sie halt nicht. Mist, scheitert's also wieder mal daran. Und die Leute, die das Geld hätten ­ das Ra'mien beweist, dass sich mit vergleichsweise wenig Kapital schon sehr viel machen lässt ­ tragen es halt allemal lieber zum Nobelitaliener, wo sie dann zum achtundvierzigtausendsten mal am rosa gebratenen Lammkotletterl nagen oder den dreiundsiebzigtausendsten Branzino ihres Lebens entgräten. Schnarch! Mehr Mut, mehr Spice, mehr Würze, mehr Spannung ­ der kulinarische Spaß liegt auf der Straße, man braucht ihn bloß aufzuessen.