London - Ein Diamant mit langer Geschichte ziert die Krone, die beim Trauerumzug auf dem Sarg von Queen Mum lag: Der "Koh-I-Noor" gehört zu den berühmtesten Juwelen weltweit und ist angeblich für alle Ewigkeit verflucht. Ein Hindu-Sprichwort sagt: "Derjenige, der diesen Diamanten besitzt, dem wird die Welt gehören, aber er wird auch das Unglück der Welt kennen. Nur Gott oder eine Frau kann den Diamanten ungestraft tragen."Und so hat es sich bei der Königinmutter erwiesen: Der Diamant ist das funkelnde Mittelstück der Krone, die sie 1937 zur Krönung ihres Mannes, König Georg VI., trug. Ihr Mann starb mit 57 Jahren, sie wurde indes 101 Jahre alt. Die Bezeichnung "Koh-I-Noor" bekam der Edelstein im 18. Jahrhundert vom Perserkönig Nadir Schah. Ein gefangener Rivale hatte den Stein in seinem Turban versteckt. Der König brachte ihn mit einer List dazu, die Turbane zu tauschen. Als der Diamant aus dem Turban zu Boden fiel, rief der König "Koh-I-Noor!" - zu Deutsch: "Berg des Lichts!" Acht Jahre später wurde Nadir Schah Opfer eines Attentats. Einer seiner Generäle brachte den Diamanten nach Afghanistan, später tauchte er im Pandschab auf, das unter britische Herrschaft fiel. So bekam ihn Königin Victoria, zugleich Kaiserin von Indien, überreicht. Victoria ließ den Diamanten in London ausstellen, aber das Funkeln des 186-Karäters, der ungefähr so groß ist wie ein Hühnerei, enttäuschte das Publikum. Die Königin ließ ihn deswegen bearbeiten, um das Feuer des auf 108 Karat geschliffenen Edelsteines mehr zur Geltung zu bringen. 1911 wurde zur Krönung von Königin Mary eine neue Krone für den "Koh-I-Noor" entworfen, jene, die nun den Sarg der Königinmutter zierte. (DER STANDARD, Printausgabe 06./07.04.2002)