Wien - Österreichs größter "Geburtshelfer" für Startup-Firmen, die börsenotierte Wiener stage1.cc technology business incubator AG, zieht die Konsequenzen aus den seit ihrer Gründung im Jahr 2000 dramatisch verschlechterten Bedingungen auf den Kapitalmärkten und wechselt von seiner bisherigen Tätigkeit als Inkubator in das Management von Fonds für Startup-Unternehmen. Dafür wurde vom stage1.cc-Management vor kurzem die stage1 Beteiligungs-Management AG gegründet, in die die stage1.cc - vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung - eingebracht werden soll, teilte das stage1.cc-Management am Donnerstag in Wien bei einer Pressekonferenz mit. stage1.cc soll über Managementvertrag aber weiter betreut werden.Vorstand halbiert Der bisherige Vorstand wurde zugleich per Ende März von vier auf zwei Personen halbiert. Herbert Roth und Christian Wagner übernehmen in beiden Gesellschaften die operative Führung. Die beiden anderen bisherigen Vorstände, Rudolf Kemler und Georg Obermeier, wechseln in den Aufsichtsrat (AR) der beiden Gesellschaften, Kemler jeweils als AR-Vorsitzender. Die Aktienmehrheit der stage1-Beteiligungs-Management AG (Grundkapital 70.000 Euro) befindet sich in Händen der Aufsichtsräte, Vorstände und Investmentmanager der stage1.cc. Die restlichen Anteile entfallen auf die stage1.cc. Neue Fonds Mit der Splittung in Fonds und Managementgesellschaft werde das Ziel verfolgt, neben dem bestehenden stage1.cc-Portfolio auch das Management neuer Fonds - sowohl im öffentlichen Bereich (etwa über Private Public Partnership) als auch Gelder institutioneller und privater Anleger - zu übernehmen, so das Management. Den strategischen Wechsel in der Positionierung begründet Kemler damit, dass die zweite Investitionswelle nicht geschafft werden konnte. Es sei praktisch unmöglich - auch mit renommierten Partnern -, weiteres Kapital für Startup-Unternehmen aufzutreiben. Positiv hob Kemler hervor, dass kein einziges der von stage1.cc betreuten zwölf Unternehmen ausgefallen sei. Adaption Das Inkubatorenmodell werde nun dahingehend adaptiert, dass die Unternehmen relativ früh auf eigenen Beinen stehen sollen und verstärkt auf die geschäftliche Entwicklung und Partnerschaften geachtet werde. Einige Geschäftsideen seien an die veränderten Bedingungen angepasst oder neu ausgerichtet worden. Geld für neue Investitionen stehe derzeit nicht zur Verfügung. Die noch vorhandenen flüssigen Mittel von knapp 10 Mill. Euro will das Management für die bestehenden Investments in Reserve halten. Durchschnittlich ist stage1.cc mit 6 Mill. Euro an einem Dutzend Unternehmen beteiligt. In Zukunft will das Management gemeinsam mit der öffentlichen Hand, anderen Fonds sowie nationalen und internationalen institutionellen Investoren neue Fonds für Startup-Unternehmen auf die Beine stellen. Derzeit sei man mit drei bis vier neuen Fonds-Projekten befasst, sagte Wagner. Davon könnten zwei in den nächsten beiden Quartalen umgesetzt werden. Das Volumen werde mit 20 Mill. Euro je Fonds doppelt so hoch sein wie bisher. Laut einer Studie der Europäischen Investitionsbank (EIB) sei Österreich bei der Finanzierung von Startup-Unternehmen vergleichsweise in einer ganz schlechten Situation, so Kemler weiter. Nur 1,75 Euro würden in Österreich pro Kopf dafür aufgewendet werden. In Schweden seien es 27,28 Euro, in den Niederlanden 21,72 Euro, in Belgien 20,76 Euro und in den USA beispielsweise 16,15 Euro. (APA)