Obertauern - In den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Kultur sehen die Referenten der Tourismuskonferenz große Chancen und die Zukunft für den heimischen Fremdenverkehr. Uneinigkeit herrschte zwischen Schönbrunns Tiergarten-Direktor Helmut Pechlaner und Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel über die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt. Während Pechlaner Umweltprobleme durch den Fremdenverkehr aufzeigte, sprach Schröcksnadel vom "Tourismus als Motor für eine gesunde Umwelt". Monokultur des Menschen Mit den Kapazitäten der österreichischen Skilifte könnten binnen einer Stunde 2,7 Millionen Menschen in die Berge befördert werden. Mehr als ein Drittel der heimischen Pisten würden künstlich beschneit. Der künstliche Schnee sei zum System geworden, kritisierte Pechlaner. Nur mehr drei Prozent der Alpen seien eine echte Wildnis. "Wir leben in einer Monokultur des Menschen." Naturschutz werde nur akzeptiert, wenn er etwas bringe, meinte Pechlaner. Zukunft Ökotourismus Im Ökotourismus liege ein großes Potenzial für Österreich. Schließlich gehörten Fernreisen in naturnahe Räume zu jenen Segmenten mit den höchsten Wachstumsraten. Der typische Ökotourist sei zwischen 30 und 60 Jahre alt, gebildet, städtisch und suche Erholung, definierte Pechlaner die Zielgruppe. Konsequenzen Wenn man mit sanftem Tourismus punkten wolle, müsse man aber auch die Konsequenzen ziehen. Als Beispiel nannte Pechlaner den Bereich Mobilität: keine neuen Straßen in die alpinen Gebiete, keine neuen Skilifte. "Es ist nicht einzusehen, dass wir auf der grünen Wiese "Playcastles und Anderswelten" errichten, wunderbare Parklandschaften aber nicht geachtet werden, forderte Pechlaner ein Umdenken. Der "kanalisierte Tourismus" wäre das Beste, was uns passieren könne, argumentierte Pechlaner. Nur 0,8 Prozent der Landesfläche seien Skipisten, relativierte Schröcksnadel das Ausmaß an Natureingriffen durch den Wintersport. Er kritisierte die Bestimmungen für die Erzeugung künstlichen Schnees teilweise als "unsinnig". Gerade der Tourismus sei der Motor für eine gesunde Umwelt, argumentierte Schröcksnadel. Die Kärntner Seen wären sauber, weil niemand in einem dreckigen Wasser baden wolle. "Insel der Gesundheit" Als "Insel der Gesundheit" bezeichnete Willi Dungl in seinem Statement Österreich. Er sprach sich für eine stärkere Vernetzung der Gesundheitsanbieter, einen internationalen Vertrieb des Wellness-Angebotes und eine Forcierung der Ausbildung in Gesundheitsberufen aus. Faktor Kultur Für eine stärkere Rückkoppelung der Werbewirtschaft mit den Kulturorganisationen sprach sich der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, aus: Die Österreich Werbung müsse verstärkt mit den Ausstellungshäusern und regionalen Veranstaltern in ein Netzwerk der gegenseitigen Information eintreten. Die Kultur sei nicht nur ein identitätsstiftender Faktor, sondern auch ein hochwertiger Wirtschaftsfaktor. Städtetourismus In der Diskussion sprach sich der Wiener Tourismusdirektor Karl Seitlinger für die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auf den Sonntag aus: "Ein Drittel der Wien-Besucher beklagen, dass die Geschäfte am Sonntag nicht offen haben. Wir brauchen im Städtetourismus auch den Sonntag." Außerdem müsse die Verkehrsanbindung nach Wien dem europäischen Standard angepasst werden und für die Österreich Werbung mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, 15 Prozent dieses zusätzlichen Budgets sollte für den Städtetourismus eingesetzt werden. Der Tiroler Landeshauptmann Wendelin Weingartner forderte in der Diskussion steuerliche Erleichterungen für nicht ausgeschüttete Gewinne. In der Saisonnier-Frage sollte den Ländern künftig die Entscheidungskompetenz gegeben werden. (APA)