Verquere Welten: Hat sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser bis jetzt auch um Österreichs Studierende - Beispiel Studiengebühren - mit gekümmert, so kann sich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) nun revanchieren. Grasser ist jetzt Mitglied.

Der Finanzminister wollte sich mit seinem Magistertitel offenbar nicht bescheiden. Seit Anfang März studiert er wieder. Grasser hat sich an der Universität Klagenfurt für ein Doktoratsstudium in Betriebswirtschaftslehre eingeschrieben. Die Mindeststudiendauer: vier Semester.

Brav sei der Herr Finanzminister in der Schlange vor der Inskriptionsstelle angestanden, weiß man sich an der Klagenfurter Uni zu erzählen. In der Wiener ÖH-Zentrale reagierte man nicht ohne Häme. "Ich bin gespannt, ob der Minister sein Doktoratsstudium in Mindestzeit absolvieren wird oder ob er ein ,fauler Bummelstudent' ist", meint etwa die stellvertretende Vorsitzende, Andrea Mautz.

Nicht in Erfahrung zu bringen war, wer sein Doktorvater ist. Gerüchten zufolge soll es sich dabei um den Steuerexperten Herbert Kofler handeln, der schon die Diplomarbeit betreut habe. Kofler gilt als einer der engsten Berater Grassers in Sachen Steuerreform. Er selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, weil er derzeit ein Freisemester hat. Die Sekretärin verwies auf das Finanzministerium. Und dort schweigt man über das studentische Engagement des Chefs. (pm, stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2002)