Kiew/Lüneburg - Die dramatische Geiselnahme von Wrestedt mit einer Flucht durch Deutschland und Polen bis in die Ukraine (DER STANDARD berichtete) endete bei Kaffee und Butterbroten. An einer kleinen Tankstelle bei der Stadt Rowno gaben die Verbrecher völlig erschöpft und übermüdet auf. Drei Stunden hatte die ukrainische Polizei zuvor mit List und guten Worten auf die Gangster eingeredet."Wie mit meinen eigenen Söhnen habe ich mit ihnen gesprochen" Zuletzt setzte sich der Chef der deutschen Spezialeinheit Alfa, Alexander Gapon, zu den Verbrechern ins Fluchtauto. "Wie mit meinen eigenen Söhnen habe ich mit ihnen gesprochen", sagte Gapon später. So kam im Gegenzug die zweite der beiden Geiseln, eine 25-jährige Bankangestellte aus Wrestedt, frei. Schon auf der Flucht durch Polen war es der anderen Geisel, einer 39-jährigen Bankangestellten, gelungen, während einer Tankpause zu fliehen. Die Beamten hatten die jungen Männer mit Kaffee, Tee und Butterbroten versorgt und sie dann zur Aufgabe überredet. "Gebt uns 50.000 Euro und die Geisel, dann lassen wir euch laufen" Mit einer List hatten es die ukrainischen Behörden geschafft, mit den Gangstern überhaupt ins Gespräch zu kommen. "Die Deutschen wissen nicht, wo ihr seid. Gebt uns 50.000 Euro und die Geisel, dann lassen wir euch laufen", hatten die Polizisten zum Schein angeboten. Prozess in Deutschland Den Geiselnehmern soll in Deutschland der Prozess gemacht werden. Die Lüneburger Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag einen Auslieferungsantrag an die ukrainischen Behörden gestellt. Nach Angaben der ukrainischen Polizei in Rowno sollten die drei Männer noch am Donnerstag nach Deutschland abgeschoben werden. Haftstrafe von mindestens zehn Jahren droht Gegen alle drei werde Anklage wegen schwerer räuberischer Erpressung und Geiselnahme erhoben, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke. Den ehemaligen kasachstanischen Aussiedlern mit deutschen Pässen drohe eine Haftstrafe von mindestens zehn Jahren. Die Männer waren nach dem Überfall auf eine Sparkasse in Wrestedt am Dienstagabend mit den zwei Geiseln und 200.000 Euro geflohen. Am Donnerstag saßen die drei Verbrecher im Untersuchungsgefängnis von Rowno, 300 Kilometer westlich von Kiew. "Man hat den Eindruck, die haben noch gar nicht begriffen, was sie angerichtet haben", sagte eine Polizeisprecherin. (dpa, DER STANDARD Print-Ausgabe 5.April 2002)