Wien - Bundespräsident Thomas Klestil hat den israelischen Regierungschef Ariel Sharon aufgefordert, Yasser Arafat, "den wir als Präsidenten eines unabhängigen Staates Palästina anerkennen, nicht in Gefangenschaft zu halten". Vor einer Delegation arabischer Botschafter, die er am Freitag in der Wiener Hofburg empfing, forderte der Bundespräsident ein Ende der militärischen Aktionen und den Rückzug der israelischen Truppen aus den Palästinensergebieten, wie aus einem Kommunique der Präsidentschaftskanzlei hervorgeht. Eine Lösung des Nahost-Konflikts könne nur auf politischem Wege gefunden werden. Die Delegation der arabischen Botschafter und der Arabischen Liga informierte das Staatsoberhaupt über die Haltung der arabischen Staaten bezüglich der Lage im Nahen Osten. Klestil wurde von den Botschaftern ersucht, seinen Einfluss geltend zu machen, um eine Einstellung der Kämpfe und die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu erreichen. Der Bundespräsident betonte die Kontinuität der österreichischen Nahost-Politik: "Wir treten dafür ein, dass es ein unabhängiges und in Sicherheit lebendes Israel gibt, aber gleichzeitig auch einen Staat für die Palästinenser." Fischer verlangt israelischen Rückzug Die arabische Botschafterdelegation wurde auch von Nationalratspräsident Heinz Fischer empfangen, der im Jänner Israel und Palästina besucht hatte. "Wir unterstützen voll und ganz die Beschlüsse des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und verlangen, dass diese Beschlüsse auch von allen Beteiligten beachtet werden und zum sofortigen Rückzug israelischer Soldaten führen", sagte Fischer laut einer Aussendung der Parlamentskorrespondenz. "Wir sind überzeugt, dass die Probleme zwischen Israelis und Palästinensern nicht mit militärischer Gewalt, sondern nur durch Verhandlungen gelöst werden können", unterstrich der Nationalratspräsident. Für Österreich und auch für die EU sei Präsident Arafat nach wie vor der von den Palästinensern gewählte Repräsentant und Gesprächspartner. Österreich appelliere an beide Parteien, ohne Verzug einen Waffenstillstand herbeizuführen und den Friedensprozess wieder in Gang zu setzen. Fischer machte darauf aufmerksam, dass der neu gebildete Sicherheitsrat der Republik Österreich am kommenden Montag zusammentreten werde und dass das Nahost-Problem auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht, wobei er mit einer Bekräftigung der österreichischen und der europäischen Positionen rechne. (APA)