... Öffentlicher Raum ist hat gegen Investorengeld keine Chance - und wird von der Politik daher gerne "vergessen". Winfried Kallinger hat recht. Gleich mehrfach. Erstens hat der Chef der Firma "Kallco Projekt" rechtlich recht: Er hat ein Grundstück in der Breitet Gasse in Neubau gekauft, auf dem eine gültige Bauwidmung besteht. Zweitens hat er recht, wenn er sagt, die Debatte darüber, dass das Museumsquartier (MQ) - hinter seinem Grund - generell nur durch Mauselöcher zu erreichen sei, habe wenig mit jenem Loch zu tun, das er in dem von ihm geplanten Haus lassen will: Der ist vermutlich größer, als alle MQ-Zugänge zusammen. Und drittens kann Winfried Kallinger kein Vorwurf dafür gemacht werden, dass die Politik übersehen hat, dass an einem derart wichtigen Ort auch die Politik dafür zuständig sein könnte, diesen Platz öffentlich zu halten. Bloß: Weder Stadtpolitik, noch Bund, noch MQ waren auf jenem Podium im "Depot" vertreten, auf dem Donnerstagabend rund um die geplante Verbauung der Lücke an der Rückseite des Kunstviertels diskutiert wurde: Die (verbalen) Watschen bekam einzig Winfried Kallinger ab. "Arisierter" Grund Wie DER STANDARD berichtete, besitzt Kallinger hier drei Parzellen. Zwei sind bebaut, die dritte ist leer: Anfang der 90er-Jahre war das - einst im Besitz von Hugo von Hofmannsthal stehende, später von den Nazis geraubte - Haus vom MQ gekauft worden. Um, so die deklarierte Absicht, eine Öffnung zu schaffen. Das Gebäude wurde abgerissen. Erst im Vorjahr wurde - vom MQ - ein Ideenwettbewerb initiiert. Diesen gewann das Projekt einer Aussichtsplattform der Architektin Marie Therese Harnoncourt. Doch während das MQ Sponsoren für das Projekt suchte, meldete sich Kallinger: Mumok-Direktor Edelbert Köb sollte das nebenan liegende Haus der "Bibelgesellschaft" neu ausstatten, für die Außenhaut habe man den Architekten Carl Pruscha gewonnen - er, Kallinger, sei als Investor dabei: Im MQ rechnete man - und sagte zu. Im November des Vorjahres wurde das Projekt dem Bezirk präsentiert. Die Anrainer erfuhren davon allerdings erst im März. Aus dem STANDARD. Dementsprechend begeistert reagierten sie auch, als Kallinger am Donnerstag feststellte: "Wer nicht rechtzeitig aufsteht, den bestraft das Leben." Dass statt des vorgeschriebenen Mauseloch-Durchschlupfes von 3,5 mal vier Metern das ganze Grundstück erst ab einer Höhe von sechs Metern (Kallinger: "Nicht Maus, sondern Elefant.") überbaut werden soll, interessierte nicht: "Der Skandal" erklärte die Architekturtheoretikerin Julia Eiblmayr, "ist das Fehlen einer Politik, die sagt, dass Räume frei gehalten werden müssen." Gerade von einem grünen Bezirksvorsteher, gaben Anrainer dem im Publikum anwesenden Bezirkschef Thomas Blimlinger harte Bandagen, hätte man sich Bürgernähe erwartet. "Wir wurden nicht informiert - sonst hätten wir was getan", erklärte etwa Lücken-Anrainer und Depot-Chef Wolfgang Zinggl: Ein derart sensibler Platz könne doch nicht einfach kommerziell verwertet werden, wo doch klar sei, dass auch öffentliches Interesse bestehe. Blimlinger gab den Ball weiter ans MQ - doch das hatte keinen Vertreter entsandt. Seitens der Stadt erklärte Claus Vatter, Leiter der zuständigen Widmungsabteilung, dass zur Zeit der Flächenwidmung hier eine Gebäudefront bestanden habe: Die heutigen Möglichkeiten habe vor etlichen Jahren niemand vorhersehen können - eine Rückwidmung käme einer Enteignung gleich. Was die Debatte zu ihrem Anfang zurück brachte: Winfried Kallinger hat recht. (DER STANDARD, Printausgabe 06./07.04.2002)