Deutsche Bundesregierung erwägt Berlin/Paris/Hamburg - In der deutschen Bundesregierung wächst einem Zeitungsbericht zufolge die Sympathie für den französischen Vorschlag, die Krise im Nahen Osten durch eine internationale Beobachtertruppe zu entschärfen. Mehrere Quellen aus den außenpolitischen Apparaten der Bundesregierung berichteten am Wochenende der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", in der EU zeichne sich ein Konsens darüber ab, dass man sich notfalls "auch physisch" engagieren müsse. Ein hoher Beamter sagte der Zeitung, er finde die "Vorstellung einer Militärpräsenz, die die Streitparteien auseinander hält, gar nicht dumm". Da Israelis und Palästinenser "allein nichts zustande" brächten, könne eine internationale Präsenz im Westjordanland nützlich sein. Jospin für eigenständige Nahost-Politik Frankreichs Premierminister und sozialistischer Präsidentschaftskandidat Lionel Jospin hat von der Europäischen Union eine eigenständige Nahost-Politik gefordert. "Wir müssen unseren Standpunkt beharrlich und kontinuierlich formulieren und uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass es nur eine mögliche Lösung für das Drama im Nahost-Konflikt gibt", sagte der französische Regierungschef der deutschen Zeitung "Bild am Sonntag". Ein Friedensplan solle die "Koexistenz zweier Staaten" von Israelis und Palästinensern vorsehen und "die Sicherheit aller" garantieren. Europa müsse zudem "Einfluss auf die US-Regierung nehmen, dass diese ihre diplomatische Vermittlerrolle in wirklichen Friedensverhandlungen wieder aufnimmt", forderte Jospin. Die EU müsse wie bereits beim Gipfel von Barcelona im März klar machen, "was sie von den beiden Parteien erwartet, und Vorschläge formulieren, die den Friedensprozess voranbringen." Stoiber will größere US-Nähe Im Fall seines Wahlsiegs im kommenden Herbst will der Kanzlerkandidat der deutschen Unionsparteien, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), die Beziehungen zu den USA "deutlich" verbessern und etwa auch in der Irak-Politik enger mit der Regierung von Präsident George W. Bush zusammenarbeiten. "Ich möchte ein starker, verlässlicher und selbstbewusster Partner der Vereinigten Staaten werden", sagte Stoiber am Sonntag wenige Tage vor einer USA-Reise. "Die Kontakte zwischen der deutschen und amerikanischen Regierung müssen deutlich intensiver werden, als sie gegenwärtig sind." Stoiber kritisierte dabei die rot-grüne Bundesregierung, die das Verhältnis zu den USA in den vier Jahren ihrer Regierungszeit habe "unklar werden lassen". (APA/dpa)