Anwaltshaftung I: Freie Preisbildung Von wirtschaftlich ungünstigen Verträgen muss ein Rechtsanwalt nicht unbedingt abraten. Eine solche Pflicht würde nämlich nach Ansicht des Obersten Gerichtshofs (2 Ob 172/01 k vom 6. 9. 2001) dem Prinzip der freien Preisbildung widersprechen. Im entschiedenen Fall ging es um einen Wohnungskauf. Ein Kaufvertrag, der aufgrund weniger großen Verhandlungsgeschickes einen höheren Preis vorsieht, als er dem Markt entspricht oder bei einem besseren Verhandlungsgeschick erzielbar gewesen wäre, soll nicht im Wege der Anwaltshaftung "saniert" werden, führt der OGH in seiner Entscheidung aus. (gor) Anwaltshaftung II: Keine Umgehung Sehr wohl haftet ein Anwalt aber, wenn er bei einer Umgehung des Stadterneuerungsgesetzes mitwirkt, um auf den Preis einer Immobilie Einfluss zu nehmen. In Assanierungsgebieten kann die Gemeinde Wien die Genehmigung für den Kauf einer Wohnung verweigern, in den Kaufvertrag selbst eintreten oder den Vertrag genehmigen. Tritt sie ein oder genehmigt sie den Vertrag, setzt die Gemeinde den Kaufpreis fest. Alle Versuche, diesen festgesetzten Preis zu umgehen, führen zur Teilnichtigkeit des Kaufvertrages, an der ein Anwalt nicht mitwirken darf: Für Schäden haftet er. (OGH 2 Ob 172/01 k vom 6. 9. 2001). (gor)