ORF-Generaldirektorin Monika Lindner ist mit Mittwoch den 10. April 100 Tage im Amt. Lindner wurde am 21. Dezember 2001 vom ORF-Stiftungsrat als erste Frau an die Spitze des öffentlich-rechtlichen Unternehmens gewählt und trat ihre Funktion offiziell mit 1. Jänner 2002 an. Ihre Wahl markierte auch den Abschluss der ORF-Reform, die im vergangenen Jahr die medienpolitischen Debatten dominiert hatte.

"Tatarengerüchte"

Rund um Lindners Wahl kursierten "Wunschlisten" von Seiten der Politik für die personelle Besetzung der ORF-Führung. Kritiker sahen die von ÖVP und FPÖ ausgerufene "Entparteipolitisierung" des ORF als gescheitert an. Lindner verwahrte sich vehement gegen solche "Tatarengerüchte": Es sei "unglaublich und eigentlich unzulässig", dass "man Leute des Hauses und auch außer Haus auf Listen kolportiert und mir und denen unterstellt, das sei ausgemacht und gepackelt."

"Dream Team" in zwei Etappen

In zwei Etappen scharte die Generaldirektorin dann ihr "Dream Team" um sich. Im Februar wurden Informationsdirektor Gerhard Draxler, Programmdirektor Reinhard Scolik, der Kaufmännische Direktor Alexander Wrabetz sowie Hörfunkdirektor Kurt Rammerstorfer bestellt. Im März wurde die ORF-Chefetage mit Andreas Gall (Technischer Direktor) und Ronald Schwärzler (Online-Direktor) komplettiert. Darüber hinaus bestellte Lindner Walter Zinggl zum neuen Geschäftsführer der ORF-Werbetochter Enterprise, Georg Spatt wurde Ö3-Chef. Die Bestellungen wurden in der Medienbranche insgesamt positiv bewertet.

Keine neuen Verträge

Nach wie vor hat die ORF-Spitze – und damit auch die Generaldirektorin – allerdings keine neuen Verträge. Der Stiftungsrat hat bisher noch nicht über die Gehaltsgestaltung der Direktoren entschieden. In einigen Medienberichten wurde dies auch als Strategie der FPÖ interpretiert, die sich in den Personalentscheidungen Lindners zu wenig berücksichtigt sehe, heißt es. Lindner selbst betonte stets, dass Wünsche aus der Politik "nur minimal" gewesen seien.

Für Aufregung sorgte kurz nach Lindners Amtsantritt eine Beschwerde der FPÖ gegen eine Analyse von ZiB-Redakteur Hanno Settele. Lindner räumte in einer Stellungnahme ein, dass eine interne juristische Beurteilung des ORF in dem "ZiB"-Beitrag eine "polemische Tendenz" sehe, "der die vom Objektivitätsgebot gesetzten Grenzen jedenfalls erreicht". Der Bundeskommunikationssenat wies die FP-Beschwerde indes im März zurück.

"Verösterreicherung"