Wien - Die fünf Männer, die sich am Dienstag im Wiener Straflandesgericht vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Wolfrid Kirschner) zu verantworten hatten, sind in den Augen von Staatsanwältin Petra Staribacher am Tod von 20 Jugendlichen zumindest mitschuldig: Sie sollen mit Vorläuferstoffen für die Designerdroge Ecstasy gehandelt, die bunten Pillen aber auch selbst mitproduziert und vertrieben haben. Ihr Endprodukt namens "Mitsubishi" nahm beispielsweise auch der 17 Jahre alte Rene L. aus Krems ein: Der Bursch starb qualvoll an einem Multi-Organversagen. "Der Chemiker hat sich bei der Zusammensetzung vertan. Bei diesen Pillen hat der Kick so spät eingesetzt, dass sich die Jugendlichen zwei, drei Tabletten eingeschossen haben. Das war dann zu viel", führte die Staatsanwältin dazu aus. Die Opfer finden sich in ganz Europa, die international operierende Bande transportierte ihr Gift bis nach Dänemark. Schaltzentrale ist ein Professor Die "Schaltzentrale" lag allerdings in Polen, wo die Organisation mindestens zwei Labors betrieben hat, in denen Ryszard J. - ein an sich versierter Chemiker und Universitätsprofessor - die Tabletten haufenweise produzierte. Der Mann, der von seinen "Mitarbeitern" schlicht "Professor" genannt wurde, sitzt mittlerweile in seiner Heimat im Gefängnis und wartet sein Strafverfahren ab. Einige Mittäter werden sich demgegenüber in den kommenden Wochen und Monaten in Wien verantworten müssen: Sie konnten aus dem Verkehr gezogen werden, nachdem sie im Herbst 2000 rund 110.000 Ecstasy-Tabletten nach Wien geschmuggelt und unter anderem einem verdeckten Ermittler angeboten hatten. Der "größte Fisch" von ihnen dürfte Wojciech P. (62) sein, der bereits im Zusammenhang mit der Entführung von Jan Philipp Reemtsma in Deutschland die Schlagzeilen füllte: Der Pole wurde zu einem Jahr Haft verurteilt hatte, weil er versucht hatte, rund eine Million Euro aus der Beute "weißzuwaschen". Reine Gewinnsucht Schon seit 1996 soll P. im Ecstasy-Geschäft tätig sein. "Aus reiner Gewinnsucht", wie die Staatsanwältin betonte. Der Anklage zufolge beschaffte er hunderte Liter BMK und Safrol - chemische Substanzen, die in Polen unter anderem zu "Mitsubishi" verarbeitet wurden. Er und seine Mitangeklagten bestreiten das und geben lediglich den Handel mit dem Endprodukt zu. Das Wiener Gericht steht vor einem nicht unwesentlichen Problem: Derzeit ist noch gar nicht klar, ob das Vertreiben der Vorläuferstoffe überhaupt bestraft werden kann. Zur Frage, ob deren Einfuhr nach Polen ein strafrechtlicher Tatbestand oder nur eine Verwaltungsübertretung darstellt, existieren nämlich unterschiedliche Rechtsmeinungen. Dennoch konnte einer der fünf Angeklagten bereits rechtskräftig abgeurteilt werden: Der 68-jährige Jerzy K. wurde am Dienstagnachmittag zu zweieinhalb Jahren unbedingt verurteilt. Er hatte als Chauffeur die 110.000 Ecstasy-Tabletten nach Österreich transportiert. (APA)