"Das ist völliger Blödsinn. Die Vizekanzlerin ist absolut ahnungslos über die europäischen Vorgänge. Eigentlich müsste sie es besser wissen, da sie ja selbst in Brüssel war", verteidigte die Delegationsleiterin der ÖVP im Europaparlament, Ursula Stenzel, am Dienstag am Rande der Parlamentsitzung in Straßburg EU-Kommissar Franz Fischler gegen die Angriffe der FPÖ.

Fischler sei ein hoch angesehener Kommissar, der seine Sache außerordentlich gut mache. Dass er als Mitglied der Kommission die europäischen Interessen im Auge haben müsse, liege auf der Hand. Er könne nicht nur einzelne nationale Anliegen vertreten, sondern müsse das Gesamtinteresse im Auge behalten, betonte Stenzel.

FP-Frau zurückhaltend

Zurückhaltender fiel sogar die Kritik der freiheitlichen Europaabgeordneten am Landwirtschaftskommissar aus. Die FPÖ-Delegationsleiterin im Europaparlament, Daniela Raschhofer, erklärte im Gespräch mit dem STANDARD, sie wolle das Wort "Verrat" nicht verwenden, wie dies FPÖ-Chefin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer getan hat. Die Kritik der Vizekanzlerin an Fischler sei aber, "nach den Fakten betrachtet", sehr wohl berechtigt. Raschhofer mahnt in diesem Zusammenhang die längst überfällige Reform des Systems der EU-Landwirtschaftsförderung ein. "Das Direktförderungssystem ist antiquiert. Hier ist Fischler säumig", sagte Raschhofer. Insgesamt bescheinigte sie Fischler internationales Ansehen.

Vehement fordert die FP-Delegationschefin die Schaffung eines Europaministeriums. "Das ist nötig, um die europäische Politik in Österreich besser koordinieren zu können." Das hätte auch den Vorteil, dass die FPÖ besser in die Europapolitik integriert werden könne, was laut Raschhofer vor allem im Hinblick auf die Erweiterung dringend nötig sei.

Hier sieht die freiheitliche Europaparlamentarierin Raschhofer enormen Handlungsbedarf auch in der eigenen Partei. "Der Streit um Temelín hätte so vermieden werden können." Sie selbst sei ein "absoluter Fan der Erweiterung", allerdings nicht zum derzeitigen Termin 2004, so Raschhofer. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 10. 4.2002)