Da es in der Steiermark keine psychosomatisch-psychotherapeutische Institution zur stationären Behandlung von Essstörungen gibt, werden Patientinnen mit Anorexie oder Bulimie in der Steiermark an der Universitätsklinik für Psychiatrie des LKH behandelt. Das Konzept der AGE, der Arbeitsgemeinschaft Essstörungen basiert auf dem Konzept der Dialektisch Behavioralen Therapie , die von Dr.in Schönauer-Cejpek und Dr.in Steinbrenner für ihr Vorhaben ein wenig modifiziert wurde. Für Frauen mit Bulimie und Anorexie Die Frauen, die an Bulimie und Anorexie leiden, werden im laufe eines sechswöchigen Turnus stationär multimodal behandelt, d.h. auf einem verhaltenstherapeutischen Grundgerüst in Einzel- und Gruppentherapien. Ebenso werden körperbezogene Therapiemethoden angewendet, Entspannungstechniken und Diätberatung. Vor dem Beginn des stationären Aufenthalts müssen die Patientinnen einen sogenannten "Therapievertrag" unterzeichnen, in dem zum Beispiel geregelt wird, was und wie viel die Patientinnen an Nahrung zu sich nehmen müssen, welche Therapieformen angewendet werden oder auch welche Konsequenzen sich aus einer Nichteinhaltung des Therapieplanes ergeben können. Behandlungsziele des AGE Graz Konzeptes
  • Stabilisierung des körperlichen Zustandes

  • Problembewusstsein schaffen

  • Reduktion der Symptome

  • Diätberatung ("verbotene" Nahrungsmittel, Normalisierung des Essverhaltens, festgelegte Esszeiten, Essen in Gemeinschaft)

  • Distanzierung aus dem belastenden Umfeld

  • Distanzierung von der zwanghaften Fixierung auf das Körpergewicht

  • Motivationsarbeit für eine längerfristige ambulante Behandlung

    Zweck der Gruppe

    Vordergründig wird in der stationären Behandlung in der Universitätsklinik für Psychiatrie an der Beseitigung beziehungsweise Verminderung der Symptome (Essattacken ...) gearbeitet. Dr.in Schönauer-Cejpek sieht dies als Notwendigkeit, um den Frauen wieder körperliche und geistige Kraft für eine intensive Auseinandersetzung mit den eigentlichen Ursachen zu verschaffen. "Frauen, die zu uns kommen, die sich täglich an die 8 bis 10 mal übergeben haben, haben einfach auch keinen Kopf und keine Zeit dafür, sich mit ihren tiefsten Problemen auseinander zu setzen."

    "Skills" und Stresstoleranz

    Um das zu erreichen, erlernen die Frauen unterschiedlichste "Skills", um mit ihrem Stress und Druck umgehen zu können. Ebenso wichtig ist es, diese "Skills" im richtigen Moment einzusetzen und nicht erst dann, wenn das Bedürfnis nach einer Brechattacke zu groß ist. Dr.in Schönauer-Cejpek und Dr.in Steinbrenner setzen dabei auf unterschiedlichste Methoden, um die Frauen wieder von ihrer hohen Stresssituation "herunter zu holen". Dafür wird oft ein "scharfer Reiz" eingesetzt, wie zum Beispiel das Riechen an einem Fläschchen Ammoniak oder das Lutschen von Eiswürfeln unter der Zunge. Ebenso können Musik, die Konzentration auf einen bestimmten Gegenstand und die spätere Beschreibung dessen sowie Meditation oder gegenseitige Unterstützung helfen.

    Umgang mit Essen

    Ein weiterer wichtiger Punkt im stationären Aufenthalt an der Uniklinik Graz ist der Umgang mit Essen. Die Frauen müssen oft erst wieder lernen zu essen, einschätzen, was und wie viel sie essen können/dürfen oder auch wie, wann und wo sie am besten ihre Mahlzeiten zu sich nehmen.

    (e_mu)