Wien - Problem eins sind die sinkenden Geburtenzahlen: 75.000 Kinder wurden im Vorjahr in Österreich geboren, 14.000 weniger als fünf Jahre davor, die Geburtenrate pro Frau liegt mit 1,3 Kindern unter dem EU-Durchschnitt (1,45). Problem zwei ist die Frauenbeschäftigungsquote: Die liegt mit 60 Prozent im EU-Durchschnitt, aber deutlich unter skandinavischen Ländern oder Frankreich. Für beide Probleme sieht die ÖVP eine Lösung: Die Verbesserung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Thema, dem sie sich Mittwoch mit einer Enquete widmete.Wie kann verhindert werden, dass Eltern Nachteile haben? Wie kann Frauen der (Wieder-)einstieg in den Beruf erleichtert werden? Diese Fragen warf Kanzler Wolfgang Schüssel auf, ohne Antworten parat zu haben. Er sei nur sicher, dass die Erhöhung der Frauenerwerbsquote wichtig sei - schließlich werde für die kommenden Jahre Arbeitskräftemangel prognostiziert. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hat Teilantworten: "Kinderbetreuung muss verbessert werden." Dass Kindergärten nur vormittags und im Sommer gar nicht offen haben, passe weder Betrieben noch Eltern. Um das Angebot auszubauen, könne, so Leitl, die 2000 ausgelaufene "Kindergartenmilliarde" im Budget 2003 wiedereingeführt werden. Mit der so genannten Kindergartenmilliarde (87 Millionen Euro) wurden 1998 und 2000 insgesamt 18.799 Betreuungsplätze geschaffen und 25 Betriebskindergärten gefördert. Weiters hielt Leitl einen Ausbau der Teilzeit für wichtig: Während in den Niederlanden 70 Prozent der Frauen teilzeitbeschäftigt sind, sind es in Österreich 34 Prozent. Auf einer Teilzeit-Enquete, die die Veranstaltung vom Mittwoch fortsetzt, soll über Möglichkeiten des Ausbaus der Teilzeitarbeitsplätze debattiert werden. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat schon einen Schritt gesetzt: Früher galten Frauen, die nach der Karenzzeit nur Teilzeit arbeiten wollten, als arbeitsunwillig und bekamen kein Arbeitslosengeld - nun wurde das geändert. (eli) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 11.4.2002