Wien - Zynismus der besonderen Art sehen die Grünen in der Regierungsvorlage für die neue Familienhospizkarenz. In dem Gesetzesentwurf, der die Möglichkeit regelt, todkranke, sterbende Familienangehörige künftig bis zu drei Monate (Verlängerung auf ein halbes Jahr möglich) zu Hause pflegen und betreuen zu können, muss nämlich die exakte Dauer, also auch ein fixer Endpunkt für die - wie es im Text heißt - "Sterbebegleitung" genannt werden.

"Das ist Sterben nach der Stoppuhr", empört sich der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt Grünewald. Wenn ein Familienangehöriger "vor Ablauf" der drei Monate sterbe, werde man den Todesfall ja sowieso melden. Die vorherige Festlegung eines Ablaufdatums für die Familienhospizkarenz sei aus medizinischen und psychologischen Gründen unvertretbar. Die Angabe eines fixen Schlusspunktes setze die betreuende und die betreute Person unnötig unter Druck.

Kritik übt Grünewald auch daran, dass die finanzielle Absicherung der pflegenden Familienangehörigen noch immer ungeklärt ist. (nim)

(DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2002)