Seattle/Lawrence - US-Forscher haben bisher übersehene Quellen des Treibhausgases CO identifiziert: Die tropischen Flüsse. Ihre Ausgasung trägt mit zur globalen Erwärmung bei, deren Konsequenzen für die gesamte Fauna eines Landes andere US-Forscher am Beispiel Mexikos im Detail simuliert haben: Nur wenige Arten werden durch den Klimawandel direkt bedroht, aber viele werden in ihren Habitaten mit anderen Arten durcheinander gewürfelt. Davon befürchten die Forscher "ernste ökologische Störungen".Zwischen den globalen CO-Bilanzen und den regionalen CO-Messungen in tropischen Regenwäldern herrschte bisher ein Widerspruch: Global deutete viel darauf hin, dass die Regenwälder CO-neutral sind, so viel aufnehmen wie sie abgeben. Messungen in den Wäldern selbst ergaben aber, dass sie CO-Senken sind, mehr aufnehmen. Übersehen blieben dabei die Flüsse. Diese Lücke haben Ozeanografen der University of Washington, Seattle, nun am Amazonas geschlossen und das aus dem Fluss austretende CO direkt gemessen. Dann wurde mit der jährlich überfluteten Fläche hochgerechnet: Eine halbe Milliarde Tonnen Kohlenstoff kommt pro Jahr aus dem Fluss, vor allem aus dem organischen Material des Waldes, das im Wasser zersetzt wird. Den Tieren kann es gleichgültig sein, woher das CO kommt, sie verlieren durch den Klimawandel Habitate. Das wurde bisher für einzelne Arten oder kleine Ökosysteme simuliert, nun haben sich Forscher der University of Kansas in Lawrence die Fauna eines ganzen Landes vorgenommen. Sie haben in komplexen Modellen berechnet, wie sich Erwärmung und veränderte Niederschläge auf 1870 Spezies bzw. die "Nischen" auswirken werden, in denen sie derzeit in Mexiko leben: Zwar sind nur 2,4 Prozent von fast vollständigen Habitatverlusten bedroht, aber 40 Prozent werden es mit neuen Nachbarn zu tun bekommen - Raubtieren etwa oder Parasiten -, was die Stabilität der Ökosysteme vermutlich stärker erschüttern wird als der Verlust einzelner Arten. (Nature, Vol. 416, S. 617 und 626, jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4.2002)