Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Archiv
Das Jahr 2002 wurde von der UNO zum "Jahr des Ökotourismus" proklamiert. Ziel ist es, mehr Aufmerksamkeit für diese Branche zu schaffen. Allgemeiner Tenor auf der vor kurzem zu Ende gegangenen weltgrößten Reisemesse, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, war, dass der so genannte sanfte Tourismus ein wachsender Bereich ist. Die Welttourismus-Organisation (WTO) schätzt den Anteil des Ökotourismus am Gesamtumsatz in der Tourismuswirtschaft auf sieben Prozent. Die Wachstumsraten könnten mittelfristig laut WTO bei 20 bis 30 Prozent liegen. Es entsteht auch eine neuartige Form von Dritte-Welt- und Ökotourismus: Ein Beispiel dafür sind Gemeinschaftsaktionen der WTO und der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), bei denen in den Transformationsstaaten nachhaltige Tourismusprojekte unterstützt werden. Außerdem wird versucht, mittels Vorträgen und Ausstellungen ein Bewusstsein für die Entwicklung von sanftem Tourismus zu schaffen. Laut WTO stellt der Tourismus in jedem dritten Entwicklungsland die Hauptdevisenquelle dar. Athentische Urlaubserfahrungen

Laut der auf der ITB vorgestellten Studie "Weltnachfrage Reise und Tourismus 2002" wird "eine gesteigerte Nachfrage nach authentischen Urlaubserfahrungen erwartet, einschließlich lokaler Kultur und Naturnähe". Sanften Tourismus in Reinform könne es allerdings nicht geben, sagt der Wilhelmshavener Tourismuswissenschaftler Torsten Kirstges. "Denn das bedeutet: gar kein Tourismus, da jede Reisetätigkeit in irgendeiner Form die Umwelt beeinträchtigt." Dass Reisen mehr die Umwelt schonen soll, hat die Branche aber vielfach erkannt. Die Regierung der spanischen Ferieninsel Mallorca, für viele Symbol des billigen Massentourismus, setzt jetzt auf den Erhalt der Natur und plant eine Ökosteuer. Hotels an Urlauberstränden trennen Müll. In Katalogen mit Altpapieranteil informieren Veranstalter wie TUI oder Neckermann über Umweltkriterien für Unterkünfte, Energiespartipps und respektvollen Umgang mit Einheimischen.

ökologie ist im Kommen "Die Tourismusbranche ist voll auf Ökologie abgefahren", so der Befund des Zukunftsforschers Rolf Homann. Zumindest in Werbung und Marketing spiele sie eine immer wichtigere Rolle. Häufig komme das Bewusstsein dafür in Feriengebieten aber erst auf, wenn Strände so stark verschmutzt seien, dass Urlauber nicht mehr baden könnten. Der Ökotourismus müsse raus "aus der Nische von Menschen, die selbst gestrickte Pullover und Sandalen tragen", forderte der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin von den Grünen auf der ITB. Das Umweltministerium fördert die Marke "Viabono", mit der das Wirrwarr der Gütesiegel beseitigt werden soll. Rund 20 Umwelt-, Verbraucher- und Tourismusverbände sind an Viabono beteiligt. 60 Hotels und Gemeinden haben sich bisher auf Standards verpflichtet, bis Mitte nächsten Jahres sollen es 1000 Lizenznehmer in Deutschland sein. (Der Standard, Printausgabe, afs)