Wien - Bis zum Sommer wird die Dynamik der heimischen Wirtschaft noch schwach bleiben,von Quartal zu Quartal aber werden heuer die Wachstumsraten zunehmen, bis sie zu Jahresende wieder 2,5 Prozent erreichen werden. Dies sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seiner jüngsten Prognoserevision voraus. Im Jahresdurchschnitt sollte sich heuer daraus ein noch bescheidenes Plus von 1,2 Prozent ergeben, 2003 wird der Aufschwung dann aber in ein deutlich über dem mittelfristigen Trend liegendes Wachstum von 2,8 Prozent münden. Die Experten vom Institut für Höhere Studien (IHS) haben eine leicht andere Sicht der Dinge: Für sie kommt der Aufschwung schneller und kräftiger - was heuer 1,7 Prozent reales Wachstum verspricht -, dafür verläuft die Kurve im nächsten Jahr etwas flacher (2,5 Prozent).

Den Auslöser dieses günstigen Trends sehen beide Institute jenseits des Atlantiks: Die US-Wirtschaft habe schon im letzten Quartal des vergangenen Jahres den Weg aus der Rezession gefunden und nähme jetzt kräftig an Fahrt auf. Und die US-Lokomotive zieht auch die zuletzt eher lethargischen Ökonomien in Europa mit nach oben - allerdings mit einer gehörigen Verzögerung. IHS-Chef Bernhard Felderer sieht in den USA heuer ein reales Wachstum von drei Prozent, in der EU eines von 1,75 Prozent.

Der größte Risikofaktor für die Prognose bleibt der Ölpreis, für den aber beide Institute eine ruhige Entwicklung voraussagen (vgl. Artikel unten).

Keine Entwarnung

Die erfreuliche Gesamtentwicklung bedeutet aber noch keine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt. Heuer wird die Arbeitslosigkeit noch kräftig steigen, laut Wifo um 23.500 Betroffene. Das Wifo erwartet - im Gegensatz zum IHS - heuer auch ein leichtes Sinken der Beschäftigungszahlen. Erst 2003 wird der Aufschwung auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, mit einem Beschäftigtenplus von 20.000 bis 25.000. Auch die Zahl der Arbeitslosen sollte dann wieder sinken, aber immer noch weit über dem Niveau von 2001 bleiben. Das Beschäftigtenwachstum werde 2003 bei den verfügbaren Einkommen der Haushalte auch wieder ein kräftiges Plus von real 2,4 Prozent bewirken. Damit sollte laut Wifo auch der private Konsum (plus 2,3 Prozent) zu einer Konjunkturstütze werden. Heuer bleibt die Einkommensentwicklung mit 1,6 Prozent deutlich schwächer. Bei den Inflationserwartungen nahmen die Wirtschaftsforscher für heuer eine Korrektur nach oben vor, bedingt durch den höheren Ölpreis. Trotz anspringender Konjunktur rechnen sie aber 2003 mit einer wieder sinkenden Tendenz. Sie begründen dies mit der Erwartung eines stabilisierten Ölpreises und dem Wegfall von Sonderfaktoren - wie etwa der derzeitigen witterungsbedingten Verteuerung von Importgemüse. (jost, DER STANDARD, Printausgabe 13.4.2002)