Wien - Die Grünen schlagen Alarm: Denn für die FPÖ sitzt seit kurzem Martin Hobek, Autor rechtsextremer Zeitschriften, als Fraktionsexperte im Euroteam-Untersuchungsausschuss. "Jetzt hat ein prononciert Rechter Zugang zu vertraulichen Akten von zumindest 250 Vereinen", sagt der grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger.

In den Originalakten der Organisationen - von Kinderkrabbelstuben bis zu alternativen Vereine - finden sich Finanzstrukturen und Mitgliederlisten. Unterlagen können für alle Vereine angefordert werden, die zwischen 1995 und 1999 Förderungen des Sozialministeriums erhalten haben. Öllinger befürchtet, dass Hobek die gesammelten Informationen auch anderenorts verwenden könnte. Öllinger: "Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht."

Spätestens seit Mitte der 90er Jahre ist die "Sammelleidenschaft" über Andersdenkende von Hobek öffentlich bekannt. Damals sorgte er mit seinem Buch "Molotow Müsli" für Aufregung. Es enthält detaillierte Dossiers über Linke und Grüne.

Des öfteren schrieb Hobek auch für die rechtsextremen Zeitschriften Aula und Eckartbote. Laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes ist letztere Zeitschrift "durch revanchistische und ausländerfeindliche Inhalte gekennzeichnet". Einen Namen machte er sich auch als Gründungsmitglied der Plattform Siegfriedskopf. Dort kämpfte er - mit anderen - Seite an Seite mit einem später verurteilten Neonazi für den Verbleib des historisch belasteten Kriegerdenkmals in der Aula der Universität Wien.

Hobek meinte zur Kritik Öllingers: "Es ist gesetzlich verboten, die Dokumente anderweitig zu verwenden. Ich wurde selbstverständlich darüber auch belehrt." Er verstehe aber die Befürchtungen des Grünpolitikers, denn die fielen auch auf ihn selbst zurück: Schließlich würden den Grünen immer wieder Verbindungen zur radikalen Wochenzeitung Tatblatt nachgesagt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13./14.04.2002)