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HERWIG PRAMMER/Reuters

Wien - Einen guten Betrieb erkennt man schon daran, dass es einen Betriebsausflug gibt. Diesen Konnex stellte Volkstheater-Direktorin Emmy Werner nebenbei freudvoll her, als sie beim gestrigen Pressegespräch einen solchen Ausflug ankündigte: Gemeinsam mit Kurt Neumann (Alte Schmiede) plant das Volkstheater eine Autorenwerkstatt in Unterwaltersdorf.

Nicht nur daran ließ die Prinzipalin ihr ungebrochenes Interesse an neuen Stücken und jungen Regisseuren erkennen. Nach dem unglücklichen Verlauf der Jonke-Produktion Die Vögel hält Werner nach wie vor an dessen Regisseur Georg Staudacher fest, der noch am 13. Juni eine Neuinszenierung von Thomas Bernhards Jagdgesellschaft (mit Toni Böhm und Tatja Seibt) vorlegen wird.

Mit Franzobel ("unser Autor") arbeitet derzeit ein weiterer Jüngerer im Auftrag des Hauses. Und zwar an einem Stück über Mozart, gedacht als Fortführung der zu den Mülheimer Theatertagen eingeladenen Mayerling-Produktion.


Weniger Plätze

Überhaupt wünscht sich die seit 1988 amtierende Direktorin eine "um zwei Generationen jüngere" Nachfolgerschaft. Er/Sie soll mehr Geld kriegen und weniger Plätze füllen müssen. Sie habe bereits drei, vier sehr interessante Konzepte junger Leute, "auf die niemand kommt", durchgesehen und hofft auf jemand "Unkonventionellen". "Ich will eine kollegiale, freundschaftliche Übergabe", eine, die, wie sie meint, in dieser Stadt nicht sehr oft vorkommt.

Das Haus ist nicht verschuldet. Und das soll trotz Subventionskürzungen vonseiten des Bundes und bei gleichzeitig steigenden Fixkosten so bleiben. Geld sparen möchte man etwa, indem man mit dem steirischen herbst Kathrin Rögglas really ground zero koproduziert.

Phädra (Regie: Beverly Blankenship, Titelrolle: Andrea Jonasson) soll die nächste Saison eröffnen. Die Direktorin hofft des weiteren - "so Gott will" - auf zwei Premieren mit Andrea Eckert (eventuell auch in Miss Golden Dreams). Das Proust-Projekt soll nachgeholt werden - ebenso auf nächste Saison verschoben: Gustav Ernsts Lulu. Programmpunkte der laufenden Saison: Fian-Dramolette am 23. Mai, am 5. Mai Woyzeck (inszeniert von Alexander Kubelka), am 9. Juni die Uraufführung von Harald Kislingers Meine Mama, mein Temelín. Die gemeinsam mit dem STANDARD veranstalteten Matinee-Gespräche zur Globalisierung sollen fortgesetzt werden.

(afze - DER STANDARD, Print, Sa./So., 13.04.2002)