Kürzlich sind zwei angebliche Rembrandt-Gemälde aus der von den Nazis 1943 in Frankreich geraubten Sammlung Adolf Schloss (1842-1910) aufgetaucht. Der Pariser Auktionator Rémy Le Fur (Kanzlei Poulain-Le Fur) hatte sie in einem französischen Nachlass entdeckt, da eines der zwei kleinen Gemälde noch die Inventarnummer der Sammlung Schloss trug. Die 333 holländischen und flämischen Gemälde des Adolf Schloss waren von den Nazis für Adolf Hitlers geplantes Museum in Linz vorgesehen gewesen. Weswegen sie in München eingelagert waren, wo sie 1945 neuerdings geplündert wurden. Nur knapp die Hälfte der Sammlung konnte Ende der 40er-Jahre an die Schloss-Erben restituiert werden. Für den Rest bezahlten die deutschen Behörden eine Abstandssumme. Dank der hartnäckigen Nachforschungen des Erben Jean Demartini wurden im vergangenen Jahrzehnt mehrere Gemälde lokalisiert, jedoch nur wenige zurückgegeben. Das französische Außenministerium gab 1998 eine Broschüre mit Fotos und Beschreibungen der noch fehlenden Gemälde heraus. Aus diesem Grunde konnten die beiden wiederentdeckten (vermeintlichen) Rembrandt-Gemälde: Titus mit den Zügen eines Engels und Bärtiger Alter mit geneigtem Haupt rasch identifiziert werden. Die fünf Erben von Adolf Schloss müssten nun 75 Prozent des vor 55 Jahren erhaltenen Abstands-Wertes für die beiden Rembrandt-Gemälde zurückerstatten, um die Gemälde ausgehändigt zu bekommen. Und da ist der Haken: Der vom Pariser Auktionator Le Fur beauftragte Gemälde-Experte Gérard Auguier glaubt nicht, dass es sich wirklich um Bilder von Rembrandts Hand handelt. Fortsetzung folgt. (Album, 13.04.2002)