Caracas - Nach dem Sturz von Chavez herrscht in Venezuela eine gespannte Ruhe. Obwohl der Chef der neuen Übergangsregierung, Arbeitgeber-Präsident Pedro Carmona, das Ende des am Dienstag begonnenen Generalstreiks verkündet hatte, blieben die meisten Bürger am Freitag laut Medien einfach zu Hause. "Die Straßen von Caracas sind heute vormittag leer wie selten zuvor", berichtete der Radiosender Union. Der 47-jährige Chavez saß unterdessen in der Hauptkaserne Fuerte Tiuna hinter Gittern. Verschiedene Angehörige der gestürzten Regierung tauchten derweil den Angaben zufolge unter oder stellten nach inoffiziellen Angaben in Botschaften Asylanträge. Der festgenommene Innenminister Ramon Rodriguez hatte sich versteckt, sei aber von Nachbarn denunziert worden, hieß es. Die Polizei führte unterdessen weiter zahlreiche Hausdurchsuchungen durch. Gesucht wurden in erster Linie die Verantwortlichen der blutigen Unterdrückung der Massenproteste vom Donnerstag, bei denen nach jüngsten Angaben der Feuerwehr 15 Menschen getötet und 350 verletzt wurden. Beim Massenprotest von rund 500 000 Menschen gegen die autoritäre Regierung sollen laut der Zeitung "El Universal" Heckenschützen gezielt auf die Köpfe der Kundgebungsteilnehmer geschossen haben. Die so genannten "Nachbarschaftszirkel" - zivile Schlägertrupps von Chavez - sollen nach Erkenntnissen der Polizei von Bildungsminister Aristobulo Isturiz und dem Leiter des Hauptstadt-Distrikts Libertador, Freddy Bernal, angeführt worden sein. Beide werden von der Polizei gesucht.(APA/dpa)