Caracas - Der venezolanische Interimspräsident Pedro Carmona ist am Samstag nach Fuerte Tiuna, der wichtigsten Militärbasis der Hauptstadt Caracas, geflüchtet. Das teilte ein Sprecher der provisorischen Regierung gegenüber dem Radio mit. Unterdessen versuchten Soldaten, Anhänger des entmachteten Präsidenten Hugo Chavez von einem Sturm auf den Präsidentenpalast Miraflores abzuhalten, aus dem die Mitglieder der provisorischen Regierung geflüchtet sind. Sie hatten das Gebäude durch einen Tunnel verlassen. Chavez befindet sich in der Hand des Militärs, er wurde seit dem Umsturz am vergangenen Freitag nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Vereidigung verschoben Die für Samstag geplante Vereidigung der Übergangsregierung ist verschoben worden. Das erklärte Übergangspräsident Pedro Carmona in Caracas. In der Nähe des Präsidentenpalastes, wo die Vereidigung stattfinden sollte, waren mehrfach Schüsse zu hören. Im Zentrum der Hauptstadt sowie mehreren anderen Städten kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, die Tränengas einsetzte. Wie aus Regierungskreisen verlautete, bereiteten Soldaten in Maracay einen Militäraufstand gegen Carmona vor. Ein neuer Termin für die Vereidigung des Kabinetts wurde zunächst nicht genannt. Journalisten wurden des Präsidentenpalastes verwiesen. Tausende Demonstranten vor Präsidentenpalast Vor dem Präsidentschaftspalast in der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben am Samstagabend mehrere tausend Menschen gegen den Sturz von Staatschef Hugo Chavez protestiert. Auch vor der Militärbasis Fuerte Tiuna demonstrierten tausende Menschen. Sie forderten Einsicht in die Rücktrittsurkunde von Chavez und von der Übergangsregierung einen Beweis für den freiwilligen Rücktritt des Ex-Präsidenten. Außerdem verlangten sie die Freilassung von Chavez. Dieser wurde nach Angaben seiner Tochter Maria Gabriela Chavez auf die Karibikinsel La Orchila vor der venezolanischen Küste gebracht. Unter Berufung auf "sehr gute Quellen" sagte sie telefonisch einem kubanischen Fernsehsender, Chavez werde "schlecht behandelt". Sie selbst habe seit Freitag keinen direkten Kontakt mehr zu ihrem Vater gehabt. (APA/Reuters)