München - Die halbstaatliche Bayerische Landesbank (BayernLB) und zwei US-Gläubigerbanken Kirchs erwägen einem Bericht zufolge offenbar ihr Pfandrecht auf die Formel 1-Anteile des insolventen Medienkonzerns auszuüben. Dies sei sicherlich ein Weg, wieder an die verliehenen Gelder heranzukommen, die Durchsetzung sei allerdings schwierig, berichtete die britische "Financial Times" (FT) am Samstag unter Berufung auf einen Manager der BayernLB. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. "Das ist eine Spekulation, die wir nicht kommentieren", sagte ein Sprecher der BayernLB. In Bankenkreisen hieß es, ein solcher Schritt der drei Gläubigerinstitute sei zumindest in naher Zukunft unwahrscheinlich. Die BayernLB hatte Kirch Anfang 2001 zusammen mit den US-Instituten Lehman Brothers und JP Morgan Chase einen Kredit für den rund 1,5 Milliarden Dollar teuren Kauf von Anteilen der Formel 1-Holding Slec des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV bereitgestellt. Nach Angaben der Staatsregierung ist die Landesbank allein mit rund einer Milliarde Dollar engagiert. Die Kirch-Gruppe hält derzeit nur 58 Prozent der Slec-Anteile. Diese wurden unter Zustimmung von EM.TV zusammen mit einer Option auf weitere knapp 17 Prozent des am Neuen Markt notierten Unternehmens als Sicherheit hinterlegt. Rasche Lösung Die "FT" berichtete weiter, die drei Gläubiger-Institute wollten eine rasche Lösung. Allerdings müssten die Risiken eines solchen Schrittes "vorsichtig abgewogen" werden, zitierte das Blatt den Banker weiter. So könnte der Gründer und Besitzer des restlichen 25-prozentigen Formel 1-Anteils, Bernie Ecclestone, ein Veto gegen die Übernahme der Slec-Beteiligung durch die Banken einlegen. Ein Verlust der Kontrolle Kirchs über die Formel 1 hätte möglicherweise auch Auswirkungen auf die in der Rennserie startenden Autobauer. Diese hatten aus Furcht, die Veranstaltung könnte ausschließlich auf Kirchs PayTV-Sender Premiere laufen und damit der breiten Öffentlichkeit entzogen werden, den Aufbau einer eigenen Rennserie ab 2007 angekündigt. Nach "FT"-Angaben wollen die Fahrzeughersteller am Rande des am Sonntag in Imola stattfindenden Grand Prix die neue Konstellation erörtern. Am Montag hatte die Kirch-Kerngesellschaft KirchMedia Insolvenz angemeldet und damit den Zerfall des über zehn Jahrzehnte gewachsenen Medienkonzerns des 75-jährigen Gründers Leo Kirch eingeleitet. Die Insolvenzen weiterer Töchter, wie etwa des Bezahl-Fernseh-Sender Premiere, gilt als nicht unwahrscheinlich. (APA/Reuters)