Wien - Vor zwei Wochen stieg die Schweizer Nationalbank SNB auf die Notbremse: Der steile Anstieg des Franken zum Euro sollte durch eine Zinssenkung gebremst werden - das Unterfangen war nur teilweise erfolgreich: Wenige Tage später zog der Franken wieder an. Seit dem 11. September hat der Franken seine Funktion als "sicherer Hafen" mehrfach bewiesen. In nur drei Tagen legte er um gleich fünf Prozent im Vergleich zum Euro zu. Ein hoher Frankenkurs zum Euro wirkt dämpfend auf die Wirtschaft. Der "teure" Franken hat aber auch harte Auswirkungen auf Tausende Fremdwährungskreditnehmer. Viele haben jetzt - zumindest rein rechnerisch - mehr Schulden als bei Kreditabschluss. All jene, die einen Neueinstieg oder Wechsel überlegen, reiben sich die Hände. "Kein Grund zur Panik" "Kein Grund zur Panik", meint Johann Massenbauer vom Wiener Fremdwährungsbüro FBM. "Wer im Franken ist, sollte auch bei dieser Währung bleiben, wenn er nur mit Verlust aussteigen kann. Der Franken wird nachgeben." Außer, so Massenbauer, die Nahostkrise eskaliert - dann könnte ein weiterer Anstieg bevorstehen. Das meint auch Veronika Lammer, Analystin der Erste Bank: "Eine Eskalation in Nahost würde den Franken weiter hochtreiben." Bleibt alles so, wie es ist, sollte man im Franken bleiben. Die Expertin erwartet bis zum Sommer Wechselkurse zwischen 1,46 und 1,48 Franken pro Euro, "im zweiten Halbjahr auch bis zu 1,50". Am Freitag lag der Kurs bei 1,46. Bei den Zinsen sollte sich nicht mehr allzu viel tun, "die sind schon weit unten". Wer jetzt überlegt, einen Kredit aufzunehmen, könnte überlegen, den Franken beizumischen, meint Lammer. Was die politischen Unruhen für den Franken, ist die wirtschaftliche Situation Japans für den Yen: Jede neue Regierung hat die japanische Währung in der Hoffnung auf ein Ende der Wirtschaftsmisere kurzfristig gestärkt, bis nach wenigen Monaten die Luft wieder draußen war. Wer seinen Fremdwährungskredit zum richtigen Zeitpunkt abgeschlossen hat, konnte mit etwas Glück seinen Schuldenstand - zum Teil sogar deutlich - reduzieren. Experten sehen für den Yen eine weiter volatile Entwicklung voraus. "Die Stimmung der japanischen Wirtschaft hat sich entgegen allen Hoffnungen im ersten Quartal nicht aufgehellt", sagt Birgitta Svoboda vom Managementspezialisten für Fremdwährungen FMS. "Zwar deuten etwa höhere Exporte darauf hin, dass die konjunkturelle Talsohle bereits durchschritten ist, die Inlandsnachfrage liegt aber noch am Boden." Yen weiter wechselhaft Svoboda sieht den Yen weiter wechselhaft: "Alleine die Bewegung der letzten Wochen mit einem Satz nach oben um vier Prozent an einem einzigen Handelstag zeigt, wie sprunghaft der Yen ist. Märkte sind eben keine Einbahn." Rainer Singer, Analyst der Erste Bank, rät allen, die aktuell im Yen verschuldet sind, dabei zu bleiben: "Die Abwärtsbewegung ist zwar gedämpft, aber noch vorhanden - ebenso der Zinsvorteil, ein Anstieg ist hier nicht in Sicht." Eine Strategie, die Yen-Kreditnehmern von Fachleuten aktuell empfohlen wird: Im Yen bis zu Kursen von rund 125 pro Euro bleiben, dann in den Franken wechseln - Neuengagements nur mehr im Franken tätigen. (Reinhard Kremer, DER STANDARD, Printausgabe 15.4.2002)