Essstörungen sind "multifaktoriell bedingte psychosomatische Syndrome mit süchtigen Verhaltensweisen". Nach Angaben des Ernährungspsychologischen Institutes der Universität Göttingen leidet jede 2. deutsche Frau an Essstörungen. Es "gibt (...) kaum eine Frau, die auf ganz natürliche Weise mit dem Essen umgehen kann, die keine Waage, keine Diäten kennt, und isst, worauf sie Appetit hat."

Auch wenn immer mehr Männer an Essstörungen erkranken, liegt das geschlechtsspezifische Verhältnis noch immer bei ca. 90:10.

Als häufigste Typen sind Bulimia nervosa und Anorexia nervosa zu unterscheiden. In den letzten Jahren wird auch immer öfter von einem sogenannten "Binge-Eater-Typ" oder "Binge-Eater" gesprochen.

Gründe und Auslöser

Essstörungen sind Lösungsansätze, aber auf alle Fälle die falschen. Für familiäre Probleme, berufliche/schulische Schwierigkeiten, dem Verlust von Sozialkontakten oder einem starken persönlichen Leistungsdruck. Ebenso sind Diäten wichtiger, wenn auch nicht zwingender Auslöser von Essstörungen.

Auch unsere Gesellschaft gibt harte Bandagen vor. Die Oberfläche wird zum bestimmenden Element und somit der Körper zum Sinnbild unserer geistigen Haltung, "Dicksein" zum Synonym des unbeherrschten, schwachen Charakters. Nur bis auf die Knochen abgemagerte Models erfüllen die gesellschaftlichen Kriterien von Schönheit und Erfolg. Folgeerscheinungen sind ausgeprägte Insuffizienzgefühle immer mehr Männer und Frauen, die sich in einer verzerrten Körperwahrnehmung, depressiven Symptomen und einer großen Furcht vorm "Dicksein" äußern.

Bulimie/Bulimia nervosa

BulimikerInnen leiden unter wiederholten Heißhunger- und Fressanfällen, die meist mit hochkalorischen Lebensmitteln gestillt werden. Während der Nahrungsaufnahme ist ein intensives Gefühl des Kontrollverlustes vorhanden.

"Lösungsversuche"

  • selbstherbeigeführtes Erbrechen
  • superstrenge Diäten
  • periodisches Fasten
  • intensiv betriebener Sport
  • missbräuchliche Verwendung von Abführmittel
  • die Waage wird zum Maßstab des eigenen Erfolgs/Versagens

    BulimikerInnen sind äußerlich nicht unbedingt zu erkennen. Die durchschnittlichen Grenzwerte liegen bei -30 bis zu +10 kg des Normalgewichtes. Außerdem sind aufgrund des oftmaligen Erbrechens häufig die Schilddrüsen geschwollen, was ein "rundlicheres" Gesicht zur Folge hat.

    Ebenso ist bei den Patientinnen eine Neigung zur Selbstverletzung vorhanden, sowie eine Tendenz zu Alkohol-, Sex-, Medikament- und Suchtgiftabhängigkeit.

    Magersucht/Anorexia nervosa

    Unter Magersucht wird eine Essstörung mit verzerrter Einstellung zu Nahrungsaufnahme, Lebensmittel und Gewicht verstanden und wird in den bulimischen Typus mit Erbrechen und den restriktiven Typus eingeteilt. Es kommt zu zeitweiliger Nahrungsverweigerung oder strikter Nahrungsbegrenzung sowie einer aversiven und verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers.

    Folgen/Symptome

  • Verleugnung der Krankheit, der Amenorrhoe und dem veränderten Essverhalten
  • übermaßige Beschäfigung mit Essen und Kochen (v.a. Bekochen von FreundInnen, ohne selbst mitzuessen)
  • Erbrechen und Abführen beim bulimischen Typus
  • Aktivitätensteigerung
  • Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung ohne Schwangerschaft)
  • Absinken von Bluckdruck, Herzfrequenz, Körpertemperatur, Blutzucker
  • verändertes Blutbild
  • Ödembildung
  • Ansteigen der Cholesterinwerte
  • Verringerung der Knochendichte und Tendenz zu Osteoporose
  • Mangelernährungserscheinungen
  • trockene, rauhe Haut
  • depressive Syndrome
  • Herzrythmusstörungen
  • Zahnschäden
  • Nierenversagen

    Nicht zu unterschätzen ist dabei die Mortalitätsrate von 5,9 Prozent.

    Binge-Eating-Typ

    Der Binge-Eater ist nicht fähig, sein Essverhalten zu kontrollieren. Dieser Typ unterscheidet sich auch im Essverhalten. Anstatt geplanter Fressattacken fängt der Binge-Eater-Typ meist ganz "normal" an und steigert sich bis zum Ende hin in einen Fressanfall. Auch hier sind Gefühle des Kontrollverlustes beim Essen vorhanden.

    Meist haben diese Menschen schon viele Diäten hinter sich, die nur zu einem Jojo-Effekt geführt haben. Sie leiden unter dem ständigen Konflikt zwischen Schlankheitswunsch und Essimpuls und sehen ihr Körperfett oft als "schützenden Panzer" an.

    Folgen

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt
  • Stoffwechselstörungen
  • Wirbelsäulenschäden

    (e_mu)