Autoren kritisieren amazon.com für den Handel mit gebrauchten Büchern, die von Privat an Privat vermittelt werden. Autorensprecher Gerhard Ruiss sieht Neuauflagen gefährdet. Wien - Wer dieser Tage bei amazon.de , dem deutschen Ableger des Internethändlers amazon.com , ein Buch etwa von Thomas Bernhard sucht, wird mit einem neuen Service bedient. Um sieben Euro findet man da den "Heldenplatz", und gleich daneben: "Gebraucht: Euro 3,30. Bemerkungen: Wie neu". Angeboten wird diese gebrauchte Ausgabe von "dstrunz", einem Amazon-Kunden; Amazon ist nur der Vermittler, der die Abwicklung übernimmt und dafür 15 Prozent und 99 Cent Gebühr kassiert. In den USA gibt es diesen Online-Flohmarkt mit Büchern und Musik bereits seit Ende 2000, auf der deutschen Amazon-Site seit Ende März. Jetzt hat das Angebot zu einem lautstarken Streit zwischen Autoren und Amazon geführt. Ende vergangener Woche fordert die Authors Guild, ein US-Verband von 8000 Autoren, ihre Mitglieder dazu auf, bei ihren Websites keine Links mehr zu Amazon zu legen. Die Vermittlung gebrauchter Bücher würde dazu führen, dass die Autoren Einkommen aus Buchverkäufen verlieren und künftig in einer schlechteren Verhandlungsposition gegenüber ihren Verlagen seien. Auch bei der heimischen Interessenvertretung von Autoren läuten die Alarmglocken. "Der Gebrauchtbuchhandel mag zwar im Geschäftsinteresse Amazons sein, unterwandert aber jede Preisbindung", kritisiert Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren die Aktion. Amazon würde mit Dumpingpreisen die Ladenpreisbindung von Büchern unterlaufen. Vor allem Neuauflagen würden dadurch kaum noch kalkulierbar sein, "insbesondere bei kleineren Auflagen", sagt Ruiss gegenüber dem STANDARD. Solche Neuauflagen vergriffener Titel würden im deutschen Sprachraum meist nur einige Tausende Exemplare betragen, "wenn der Verlag jetzt überlegt, dass es noch tausend Gebrauchtbücher im Markt gibt, wird er keine neue Auflage machen". Dazu käme, dass kein Autor am Wiederverkauf verdienen würde. Aktionen plane die IG Autorinnen Autoren derzeit noch nicht. Aber "wir werden die Debatte nicht ungeführt lassen", erklärt Ruiss, denn Buchhandel und Buchpreis seien "eine ganz komplexe, sensible Struktur". Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich dieser Debatte inzwischen gestellt. Am Wochenende forderte er Zehntausende Kunden in einer E-Mail dazu auf, sich gegen die Boykottaktion der Authors Guild zu wehren. Es sei nicht richtig, dass "der Handel mit Gebrauchtbüchern dem Kauf neuer Bücher Schaden zugefügt. Wir wissen, dass unser Altgeschäft das Neugeschäft nicht schmälert." Kunden würden dadurch Amazon öfters besuchen und insgesamt mehr Bücher kaufen. Amazon ist nur der prominenteste Onlinehändler, der sich des gebrauchten Buchmarkts annimmt. Denn auch Antiquariate, die nicht immer nur mit teuren, seltenen Raritäten, sondern auch mit Gebrauchsbüchern handeln, haben das neue Medium längst für sich entdeckt. Eine der größten Datenbanken für gebrauchte Bücher ist zvab.com , das zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher, hinter dem eine Unzahl kleiner Händler stehen. Die Suchmaschine funktioniert im Wesentlichen wie bei Amazon, geliefert wird von den jeweiligen Händlern. Eine Suche nach dem "Heldenplatz" liefert in Sekundenbruchteilen 20 Angebote - so billig wie bei Amazon ist jedoch dabei keines. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 4. 2002)