Wien - Die Koalition hat sich nun offenbar in Sachen Benes-Dekrete festgelegt, Tschechien die Etablierung eines Entschädigungsfonds auf freiwilliger Basis schmackhaft zu machen. VP-Klubobmann Andreas Khol meinte zu seinem Vorstoß bezüglich eines Fonds bei einer Pressekonferenz Montag Vormittag, dies sei "ein guter Rat" gewesen. Auch sein freiheitlicher Kollege Peter Westenthaler sprach nicht von einem Muss - er betonte, "dass wir hier sehr wohl sehr klar sagen, dass es einen Entschädigungsfonds geben sollte". Auch Sicht Westenthalers wäre es "sehr gut", wenn in dieser Frage alle Parteien am gleichen Strang zögen. Möglicherweise sei auch eine gemeinsame parlamentarische Stellungnahme möglich. Allerdings stellt der Klubchef Prag doch die Rute ins Fenster. Wenn es von Seiten Tschechiens kein Einlenken geben sollte, müsse man sich vielleicht in der sudetendeutschen Landsmannschaft anschauen, ob es die Möglichkeit zu Sammel- oder Individualklagen gebe. Im Dauerclinch mit dem deutschen EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen setzen die Freiheitlichen nun offenbar auf negieren: "Wir werden eine andere Gangart einschlagen und die Aussagen des Herren Verheugen nicht mehr so ernst nehmen" meinte Westenthaler. Schließlich werde der Kommissar ja auch in Brüssel mittlerweile als "Fehlbesetzung" angesehen. Dass Verheugen gestern im tschechischen Fernsehen neuerlich die Benes-Dekrete als kein Beitrittshindernis für Tschechien bezeichnet hat, befindet der Klubchef jedenfalls ungeachtet dessen als Provokation. Keine Lust hat Westenthaler derzeit, über ein allfälliges Veto zu diskutieren. Er beginne nicht über den Schluss des Prozesses nachzudenken. Worum es jetzt gehe sei ein Vorschlag der tschechischen Seite, wie die Angelegenheit zu bereinigen sei. Als letzte Möglichkeit bleibt für den FP-Klubchef ein Nein zu einem tschechischen EU-Beitritt allerdings bestehen. Khol bezeichnet das Vorgehen der Koalition als "fair", da man auf die Vernunft und das Verhandlungsgeschick der tschechischen Parteien setze. Auch die tschechische Seite wisse, dass sie ihre Hausaufgaben zu machen habe - und bis zum Beitrittsvertrag hin sei noch "eine gute Zeit". (APA)