Wenn eine Friedenskonferenz oder das Nachdenken darüber dazu dient, auch nur einem einzigen Menschen im Nahen Osten das Leben zu retten, dann sei sie willkommen. Viel Enthusiasmus für die Idee von Israels Premier Ariel Sharon kommt jedoch nicht auf, auch auf US-Seite nicht.

Dass Palästinenserchef Yassir Arafat als Bedingung für eine Teilnahme den israelischen Rückzug fordert, ist dabei kein großes Hindernis: Bis zur Konferenz hätte die israelische Armee ihre Operation wahrscheinlich abgeschlossen. Gewichtiger ist, dass Sharon Arafat ausschließen will und die Amerikaner dem offensichtlich folgen: So bekommt man momentan keinen Palästinenser und auch keinen anderen Araber an den Tisch (überhaupt würde man gerne endlich einmal von Sharon erfahren, mit wem er sprechen will und warum er glaubt, dass diese Person - die ja eher nicht aus der in ihrer Gesamtheit belasteten Autonomiebehörde kommen würde - die Palästinenser vertreten könnte). Aber wenn das Zustandekommen einer Konferenz daran scheitern würde, dass Sharon keinen Gesprächspartner findet, wäre das ein gewisser PR-Gewinn für ihn: Wir wollen ja, aber schon wieder reden die Araber nicht mit uns, ihre "Beiruter Erklärung" war eine Farce.

Nehmen wir jedoch einmal an, es gäbe die Konferenz: Worüber würde dort gesprochen? Darüber, was bereits in UN-Resolutionen verankert ist - Israels Abzug aus (den?) besetzten Gebieten -, darüber, was bereits offizielle Doktrin der US-Außenpolitik ist - ein palästinensischer Staat? Über "land for peace" muss man nicht diskutieren, darüber besteht Konsens. Der Teufel saß schon das letzte Mal im Detail - das man jedoch nur bilateral verhandeln kann. Es gibt also nur eines, was eine Konferenz leisten könnte: beiden Völkern, den Israelis, aber mehr noch den Palästinensern, die überhaupt keine Perspektiven haben, das Vertrauen in einen politischen Prozess zurückzugeben. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 16. 4.2002)