Die Technik der digitalen Kameras ist weitgehend ausgereizt - zumindest der Amateurfotograf kann mit immer mehr Megapixeln nichts anfangen. Deswegen kommen verstärkt Zusatzfunktionen ins Spiel - wie etwa die Möglichkeit, kurze Filmszenen aufzunehmen. Kameras wie die Nikon Coolpix 5000 oder die Kodak DX3600 machen den ambitionierten Amateurfotografen zum Filmregisseur. Ein nettes Gimmick? Auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein nettes Gimmick, wird die digitale Kamera bei richtigem Umgang zum praktischen Werkzeug für filmische Kurzdokumentationen bis zu einer Minute Dauer. Die Bereitschaft zur Filmaufnahme kann beim Spitzenmodell der Coolpix-Reihe über die Steuerungstaste am oberen Rand einer von drei individuellen Aufnahme-Einstellungen festgelegt werden - damit entfällt das etwas umständliche Einstellen der Aufnahmeoption über die Menütasten auf dem ausklappbaren LCD-Monitor. Die Filmaufnahme beginnt mit dem ersten Druck auf den Auslöser und endet, sobald der Knopf ein zweites Mal gedrückt wird. Wird die maximale Länge von einer Minute ausgeschöpft, dauert es fast noch einmal solange - etwa 50 Sekunden, bis die Film- und Tondaten auf die Speicherkarte geschrieben sind. Jeder kleine Wackler erbarmungslos angezeigt Das Ergebnis kann sofort auf dem Kameramonitor angeschaut werden. Hier wird jeder kleine Wackler erbarmungslos angezeigt - daher sollte die Kamera für Filmaufnahmen auf ein Stativ geschraubt werden, das die benötigten Schwenks erlaubt. Bei Bedarf kann während der Aufnahme auch die Zoomwippe bedient werden. Mit einer Brennweite von 7,2 bis 21,5 Millimetern wird der Kleinbildbereich von 28 bis 85 Millimetern erfasst - das ist im Weitwinkel recht passabel, während der Telebereich für manche Zwecke etwas weiter gefasst sein könnte. Größere Speicherkarte notwendig Das unter dem Blitz sitzende Mini-Mikrofon bietet natürlich keine HiFi-Qualitäten. Beim Abspielen des Films in der Kamera gibt der Lautsprecher an der linken Kameraseite nur einen mäßigen Sound aus. Erst wenn der Film über die USB-Schnittstelle auf den PC übertragen wird, kann sich das Ergebnis hören lassen. Die Videosequenzen werden im Quicktime-Format mov gespeichert und belegen bei einer Minute Dauer 17,6 Megabytes - eine größere Compactflash-Card als die mitgelieferte mit 32 MB gehört wohl zum ersten Zubehör, das sich der Coolpix-Nutzer besorgt. Die Bildrate der Aufnahmen liegt bei etwa 15 Bildern pro Sekunde, was schnelle Bewegungen noch einigermaßen flüssig darstellt. Die Abbildungsgröße beträgt 320 mal 240 Pixel und ermöglicht somit kein bildschirmfüllendes Filmvergnügen - für Dokumentationszwecke ist dies aber ebenso ausreichend wie für die Integration in kreative Powerpoint- oder Flash-Animationen. "Ultra HS" mit 3 Bildern pro Sekunde Noch kürzere Filmsequenzen von drei bis vier Sekunden Dauer können mit der Aufnahmeoption "Ultra HS" erstellt werden - hier ist dafür eine Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde möglich. Fotoserien mit Aufnahmeabständen von drei Bildern in der Sekunde entstehen mit der Option "Schnellaufnahme". Umfangreiche Wahlmöglichkeiten lässt die Coolpix 5000 dem Fotografen auch bei Einzelbildern, die bis zu einer Größe von 5,3 Megapixeln aufgenommen werden - viel zu groß fürs Internet, können diese Fotos noch im Din-A3-Format ausgedruckt werden, ohne dass die einzelnen Pixel erkennbar werden. Die Belichtungsoptionen reichen von der Vollautomatik über Zeit- und Blendenvorwahl bis zur manuellen Einstellung beider Belichtungsfaktoren. Erst einige Erfahrung sammeln Seine besonderen Fähigkeiten spielt das mit einer Blende von 2,8 bis 4,8 nicht besonders lichtstarke Objektiv im Makrobereich aus, der bis zu zwei Zentimetern hinunter reicht. Hier zeigt sich der praktische Nutzen des nach nahezu allen Seiten schwenkbaren Monitors. Bei Aufnahmen mit der vollen Auflösung können etwa bei Pflanzen auch kleinste botanische Details erfasst werden. Allerdings arbeitet der Autofokus bei Makroaufnahmen nicht besonders genau - hier muss der Fotograf erst einige Erfahrungen sammeln, um dann schließlich der manuellen Schärfejustierung den Vorzug zu geben. Videofunktionen bieten auch Kameras der Zwei-Megapixel-Klasse wie die Kodak DX3600 zum Preis von etwa 400 Euro oder die Fujifilm Fujitsu FinePix 2800 für rund 600 Euro. Die Nikon Coolpix 5000 ist seit seiner Markteinführung Anfang des Jahres bereits um einige hundert Euro im Preis zurückgegangen; der Fotohandel verlangt derzeit meist Preise zwischen 1.400 und 1.500 Euro.(APA/AP)