St. Pölten - Vom Bau der Nordautobahn A5 zwischen Wien und Brünn werde nicht, wie vielfach behauptet, das gesamte Weinviertel, sondern nur "die großen Städte an beiden Straßenenden" profitieren, meint Niederösterreichs Grünen-Verkehrssprecher Martin Fasan. Er beruft sich auf eine Studie aus England, die "Expertenwissen der letzten 25 Jahre" bündele und 1998 im Auftrag der Regierung in London von Frazer Goodwin mitverfasst wurde.

Der saß am Dienstag auf Einladung der Grünen in Wien neben Fasan und nickte. Weil Verkehrsplaner und -politiker vielfach "von Glaubenshaltungen statt Fakten" ausgingen. Der Annahme etwa, dass neue Straßen neue Jobs in den Regionen schafften, die sie durchqueren. Eine Fehleinschätzung, die aus der Verbindung konsumorientierter Wirtschaftstheorie "mit dem Freiheitsgedanken des automobilen Zeitalters" hervorgegangen sei.

Wahr sei vielmehr, dass neue Straßen die Fahrten zu billigeren Großversorgern erleichterten und auf diese Art lokale Klein- und Mittelbetriebe gefährden könnten. Das stimme in England, das stimme in Zentraleuropa, meint Goodwin.

A5 neu planen

Das stimme auch bei der Nordautobahn und dem B301/ B305-Autobahnring rund um Wien, ergänzt Fasan. Und fordert: "Wir müssen neue Kosten-Nutzen-Analysen erstellen. Wir müssen zurück an den Start." Der Großraum Wien und das Weinviertel dürften nicht zum "Brenner des Ostens" werden. Angesagt sei Schienen- statt Transitautobahnbau, samt Taktverdichtung bei den ÖBB-Verbindungen im Land. Bezahlt werden solle dies aus Mitteln der Lkw-Maut, die "rasch" eingeführt werden müsse.

Doch diese Vorschläge können die politisch Verantwortlichen im Land nicht überzeugen. Von "grünen Fantastereien, die ganz und gar nicht zukunftstauglich sind", sprach VP-Landesgeschäftsführerin Johanna Mikl-Leitner. Stattdessen werde "der Verkehr nicht weniger, wenn man die Verkehrswege nicht ausbaut" - um das zu erkennen, brauche man kein Verkehrsexperte zu sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.04.2002, bri)