Von Ute Woltron
Die Eröffnung des Österreichischen Kulturinstituts in New York war für Oktober 2001 geplant. Aufgrund von Verzögerungen im Baufortschritt erfolgt sie erst im Frühjahr 2002. Dem STANDARD gegenüber gab Architekt Raimund Abraham (in dieser Reportage vom 21. Juni 2001, Anm.) Ende September 2001 als vorläufig angepeiltes Fertigstellungsdatum an: "Das ist allerdings nur eine Annahme. Den Baufortschritt können Bauherr, die BIG, und Architekt nur sehr schwer beeinflussen." Abraham gibt als Grund für die Verzögerung und die dadurch entstehende Verteuerung Probleme mit der Baufirma und deren Subunternehmern an, die teils "inkompetent" und nicht mit der nötigen Sorgfalt zu Werke gegangen seien. Das Betonunternehmen habe sich nach den ersten drei Geschoßen als "unfähig" erwiesen, es musste gewechselt werden. Die aus gewerkschaftlichen Gründen engagierte New Yorker Fassadenfirma, die die aus Österreich von der Firma Gig angelieferten Elemente für das komplizierte vorgehängte Gesicht des Hauses montiert, habe "die Komplexität der Fassade völlig unterschätzt". Abrahams Architekturskulptur, die von internationalen Architekturkritikern als die erste "wirkliche Architektur in New York seit dem Guggenheim" gefeiert wird, lebt von der Sorgfalt der Ausführung, und für eine solche sind heutige amerikanische Bauunternehmen nicht eben berühmt: "Es ist eine Präzision verlangt, die in Amerika unbekannt ist. Hier wurden 60 Jahre lang gerade, hohe Häuser schnell und ökonomisch gebaut. Wegen der amerikanischen Gesetzeslage kann ich persönlich mit keinem Subunternehmer kommunizieren, das darf nur der Generalunternehmer. Wenn ich also auf die Baustelle komme und einen Fehler sehe, der gerade im Entstehen ist, kann ich nicht direkt einschreiten, sondern muss den Bauherren bitten, Korrekturen zu verlangen." Das Haus ist nun fast fertig gestellt, ist es dennoch zur Zufriedenheit gelungen? "Ja, ich würde schon sagen. Es gibt viele geringfügige Abweichungen, die korrigiert werden müssen." Die Korrekturen, so Abraham, seien allerdings nicht für die kolportierte Verteuerung des Gebäudes um zirka 50 Millionen Schilling verantwortlich, der eigentliche Kostenfaktor seien die Verzögerungen und Forderungen etwa von der geschassten Betonfirma. - "Dadurch verliert jeder Geld, alle versuchen, es wieder hereinzubekommen. Es gibt nun Forderungen, die teils gerechtfertigt sind, in vielen Fällen aber nicht. Eine Kommission wird in den kommenden Monaten darüber entscheiden. Die letztgültigen Baukosten werden erst dann feststehen, wenn diese Forderungen, deren Höhe ich nicht kenne, bestätigt werden oder nicht." Die kolportierte Verteuerung von 24 auf 27 Millionen Dollar will Abraham keinesfalls bestätigen: Diese Zahlen seien fiktiv. Auch den Vorwurf, er habe unpräzise Pläne vorgelegt und sei deshalb zur Verantwortung zu ziehen, weist er zurück: "Die Betonfirma versucht natürlich Ausreden zu finden, doch mit den- selben Plänen, mit denen sie schludrig gearbeitet hat, wurden von einem anderen Unternehmen später 18 Stockwerke perfekt fertig gestellt." Wann auch immer die politische Eröffnung des Hauses vor der kulturellen nun stattfinden soll, Abraham will ihr fernbleiben, wenn nicht der Bundespräsident höchstpersönlich anstelle eines Regierungsmitglieds das Seidenband durchschneidet. "Meine Position hat sich nicht geändert. Dieselbe Koalition ist am Werk. Ich bin Architekt und immer noch Idealist. Die Medien waren entscheidend mitverantwortlich dafür, dass dieses Gebäude in der kritischen politischen Situation überhaupt gebaut wurde. Dass jetzt knapp vor der Fertigstellung eine Schlammschlacht stattfindet, erstaunt mich. Man sollte die Fertigstellung des Hauses feiern und nicht völlig übliche technische Umstände sowie Preisspekulationen dazu verwenden, um das Ereignis der Architektur infrage zu stellen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 6. 2001)