Schrecklich, dass es Menschen - hauptsächlich Männer - gibt, die sich an Pornos mit Kindern aufgeilen und dadurch wohl auch unterdrückte Machtfantasien ausleben. Noch schrecklicher ist der Gedanke an die hilflosen Opfer. Um daraus keinen Schrecken ohne Ende werden zu lassen, ist es aber notwendig, Pauschalschnellschüsse à la "schärfere Gesetze" und "mehr Überwachung" zu vermeiden.

Dass mit der Vergewaltigung eines Kindes Handel betrieben wird, darf niemals in der Bedeutungslosigkeit des Alltags versinken. Doch lediglich alles daran zu setzen, das Internet von gefilmten Schwerverbrechen zu "säubern", kann Schwerverbrechen nicht verhindern.

Die gesellschaftliche Ächtung von Gewalt gegen Kinder beginnt nicht auf der Festplatte eines Computers, sondern im realen Wohnzimmer. Was dort tagtäglich verbrochen wird, ist in seiner Tragweite bei weitem schlimmer als das Herunterladen eines kranken Minderheitenprogrammes. Vorsichtige Expertenschätzungen gehen davon aus, dass in Österreich zumindest jedes zehnte Kind von Erwachsenen sexuell ausgenützt wird. Der weit verbreitete, aber irreführende Begriff dafür heißt Missbrauch. Irreführend deshalb, weil er als Gegenteil den Gebrauch impliziert.

In völlig unverdächtig erscheinenden Bereichen werden Menschen gierig auf pädophile Inhalte gemacht. Lolita-Motive in der Werbung sind keine Seltenheit in einer Gesellschaft, die gern als lasziv bezeichnet wird. Dabei geht es nie um Gefühle, sondern um rein äußerliche Sensationen. Reale Hilfeschreie von Kindern werden kaum wahrgenommen. Die Konfrontation damit, dass es davon eine Aufzeichnung gibt, sorgt für Verstörung. Das ist pervers. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 18. 4.2002)