Peking - China hat jetzt erstmals Fotokopien der ältesten und umfangreichsten Enzyklopädie der Welt veröffentlicht. Die Repliken sollen Wissenschaftern beim Studieren der 600 Jahre alten Manuskripte helfen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Die "Yongle Dadian"-Enzyklopädie war zwischen 1403 und 1407 nach Christus während der Ming-Dynastie von mehr als 3.000 Gelehrten und Beamten auf Geheiß von Kaiser Chengzu zusammengestellt worden. Im Dezember wurde damit begonnen, die Bände in Originalgröße zu reproduzieren. Diderots Enzyklopädie war dünn im Vergleich Binnen eineinhalb Jahre sollen alle in China verfügbaren Bände nachgebildet sein, erklärte der Direktor der Pekinger Nationalbibliothek, Ren Jiyu. Er hoffe, dass auch die außerhalb Chinas über alle Welt verstreuten Exemplare kopiert werden könnten. Ursprünglich umfasste die Enzyklopädie 22.877 Bände in 11.095 Büchern - zwölf Mal soviel wie die berühmte Enzyklopädie, die der Franzose Diderot im 18. Jahrhundert zusammenstellte. Die meisten Bände wurden jedoch während fremder Invasionen Anfang des 20. Jahrhunderts zerstört. Die Invasoren hätten zahlreiche der Bücher verbrannt und andere in ihre Heimatländer mitgeschleppt, berichtete die staatliche Tageszeitung "China Daily". Übrig sind nur noch 800 Bände, davon nur die Hälfte in China selbst. Wegen ihres großen Umfangs wurde die Yongle Dadian nie gedruckt. Es ist das erste Mal, dass originalgetreue Kopien hergestellt werden. Sammler in aller Welt wurden aufgefordert, ihre Bände für das Projekt zur Verfügung zu stellen. In der chinesischen Nationalbibliothek stehen 221 Bücher der Enzyklopädie. 64 davon waren Anfang der fünfziger Jahre von der Sowjetunion zurückgegeben worden, drei von der damaligen DDR. Die US-Kongressbibliothek besitzt 41 Bücher des Mammut-Werks, Großbritannien 51 und Deutschland fünf. Auch in Japan und Südkorea befinden sich noch Bücher der Yongle Dadian. (APA)