Rom - Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hat Regierungschef Silvio Berlusconi wegen seiner Angriffe gegen prominente Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders RAI indirekt kritisiert. Die Meinungsvielfalt sei von grundlegender Bedeutung für die Demokratie, zitierten italienische Medien am Samstag das Staatsoberhaupt. Die redaktionelle Unabhängigkeit sei für die Qualität der Informationssendungen von größter Bedeutung, habe Ciampi in einer Rede am Freitag in Rom erklärt. Berlusconi hatte die Entlassung zweier bekannter RAI-Journalisten und eines Komikers gefordert, die ihn in der Vergangenheit wiederholt mit kritischen Sendungen verärgert hatten. Berlusconi hatte ihnen am Donnerstag vorgeworfen, das staatliche Fernsehen "in krimineller Art und Weise missbraucht" zu haben. Deshalb sollten sie entfernt werden. Am Freitag wiederholte er seine Vorwürfe, nannte jedoch keine Namen. Die beiden betroffenen Journalisten, Enzo Biagi und Michele Santoro, leiten beliebte RAI- Politiksendungen in den Kanälen RAI 1 und RAI 2. Als neue Verantwortliche der beiden Sender waren am Mittwoch Journalisten bestellt worden, die Anhänger der Mitte-Rechts-Regierung von Regierungschef Berlusconi sind. Da dieser bereits Eigentümer der drei größten privaten TV-Sender des Landes ist, hat Berlusconi nun Einfluss auf fast alle wichtigen elektronischen Medien des Landes. (APA/dpa)