Blau-Schwarz hat sich bei der Regierungsbildung die Forschung brüderlich geteilt. Die universitäre Forschung gehört in das schwarze Reich. Die blaue Fraktion konnte mit der ihr zugewiesenen außeruniversitären Forschung zunächst nicht so richtig etwas anfangen, was wohl an anderweitigen Interessen der Minister Schmid und Forstinger gelegen ist. Allmählich zeigt sich aber auch hier in der Personalpolitik eine gewisse blaue Systematik. Mathias Reichhold herrscht als Minister über die Programmplanung des Bundes. In der Holding der Austrian Research Centers (vormals Seibersdorf), der größten außeruniversitären Forschungsgruppe, führt Ex-FP-Verteidigungsminister Helmut Krünes das Szepter. Die zweitgrößte außeruniversitäre Institution, das steirische Joanneum Research, fällt wiederum in das Ressort des blauen Landesrats Leopold Schöggl. Überraschen sollte dies nicht, Regierungsbeteiligung will mit Machtpositionen belohnt werden. Sehr aufmerksam sollte man aber verfolgen, wie die handelnden Personen nun darangehen, sich die für sie bequemen Strukturen zu schaffen. Gebündelt will er sie haben, die außeruniversitären Forschungsstätten, ließ Reichhold wissen, unter ein gemeinsames Dach gebracht, um Schwerpunkte zu bilden und Zweigleisigkeiten abzuschaffen. Ganz zufällig spielt in diesen Dachkonstruktionen dann die ARC-Holding eine zentrale Rolle. Ein Schelm ist, wer da an Durchgriffsrechte denkt. Und wem noch nicht mulmig geworden ist, der sei daran erinnert, dass es dabei um die außeruniversitäre Forschung geht, das Kernstück jeder technologiepolitischen Strategie. Rund 550 Millionen Euro werden hier derzeit jährlich verforscht, bis 2005 sollen es dreimal so viel sein. Da lohnt sich ein Durchgriff allemal. (DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2002)