Grant Lee Phillips
Mobilize
(Zoe Records)

Foto: Zoe Records
Es gibt Alben, die rühren einen bereits vom ersten Ton an wie ein Donnerschlag. Ohne hier jetzt in Aufzählung solcher Werke verfallen zu wollen, sei nur das jüngste Mitglied in diesem eher elitären Verein erwähnt: Mobilize von Grant Lee Phillips . Der Amerikaner war bis 1999 Vorstand der viel beachteten und geliebten Formation Grant Lee Buffalo. Auf seinem zweiten Soloalbum trifft jeder von ihm angeschlagene Ton ins Schwarze. Beziehungsweise ins Herz: Bereits der Opener, das wehmütige See America leitet ein, was zwölf Songs später mit April Chimes endet und einen sofortigen Sprint Richtung Repeat-Taste im Sinne von "Mehr! Mehr! Mehr!" notwendig macht. Mobilize ist ein Singer-Songwriter-Album im modernen Gewand. Modern meint hier, dass Phillips programmierte Beats verwendet, Streicher aus der Dose beschäftigt und sich dafür gesanglich in Sphären erhebt, dass es einem die Gänsehaut auf den Fußsohlen aufpoppt! Meist im Midtempo durchstreift er ewige Themen wie Fortgehen und Ankommen, Suchen und doch nicht Finden, ohne ständig auf die Tränendrüse zu drücken: Die Ergebnisse gipfeln in der erhebendsten (Pop-)Musik, die ein zu kühler Frühling zu bieten hat. Und - der Mann spielt heute auch noch live mit seiner Band: Mehr "Mehr! Mehr! Mehr!" geht kaum. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. 4. 2002)