Genug entschuldigt, Rudolf Edlinger. Der "Sieg Heil!"-Sager nach der Rede der FPÖ-Abgeordneten Partik-Pablé war ein Fehler, aber hauptsächlich deshalb, weil er es den schwarz-blauen Schulterschlüsslern Khol und Westenthaler gestattete, eine Schmierenkomödie der geheuchelten Entrüstung abzuziehen (Westenthaler wurde übrigens jetzt in zweiter Instanz verurteilt, weil er eine profil-Journalistin als "hasserfüllt" und "oberste degenerierte Persönlichkeit" beschimpft hatte). Als ironischer Kommentar ist "Sieg Heil" bei nicht wenigen Äußerungen von FPÖ-Mandataren gerechtfertigt und bei der Neonazi-Demo in der Innenstadt marschierte ja auch einer mit, der für die FPÖ in Wien als Bezirksrat kandidiert hat. Im Übrigen war groß im TV zu sehen, wie hinter Westenthaler im Parlament zufrieden grinsend sein Parteifreund Reinhard Gaugg saß - der NAZI mit "neu, attraktiv, zielstrebig, ideenreich" buchstabiert. Hat sich der je ernsthaft dafür entschuldigt? Was Edlinger "vorzuwerfen" ist, ist die Emotionalität seines Antifaschismus. Sie gestattet es der Koalition, davon abzulenken, dass derzeit die stillen Harten vom äußersten rechten Rand überall in Schlüsselpositionen einsickern. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 20/21.4.2002)