Wien - Die Nachbarn hießen Beilhack und Grausam (wahrscheinlich Rechtsanwälte), die winzige Wohnung lag in der Wiener Lichtensteinstraße, man schrieb das Jahr 1982. So heben Gründungsmythen an, im konkreten Fall die des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), das vor zwanzig Jahren von drei Wissenschaftern mit einem gemeinsamen Traum gegründet wurde: Krzysztof Michalski (aus Warschau), Klaus Nellen und Cornelia Klinger (aus Köln) wollten im Westen Europas eine Forschungsstätte gründen, "wo Ideen und Menschen aus dem fast vergessenen Osten Europas - damals unter kommunistischer Herrschaft - willkommen wären". (Michalski in der Festtagsbroschüre).Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte: Seit dem Jahr 1982 hat sich das Institut für die Wissenschaften vom Menschen zu einer Institution entwickelt, die im Dialog zwischen Intellektuellen im Westen und Intellektuellen im Osten eine international maßgebliche Rolle gespielt hat. 1989 standen viele Visiting Fellows, Mitarbeiter und Freunde des IWM an der vordersten Front der Revolution - und nach 1989 beim demokratischen Aufbau ihrer Länder. Unter den zahlreichen Freunden, Förderern und Unterstützern des Instituts hebt Michalski Erhard Busek, den damaligen Wiener Vizebürgermeister und jetzigen Koordinator für den EU-Stabilitätspakt für den Balkan hervor, den amerikanischen Finanzmagnaten und Philantropen George Soros, den vor kurzem verstorbenen Philosophen Hans-Georg Gadamer, den britischen Verleger Lord Georg Weidenfeld, Lord Ralf Dahrendorf, aber auch Papst Johannes Paul II., der das - konfessionell ungebundene und unabhängige - Institut mehrfach zu den Sommergesprächen in seine Residenz Castel Gandolfo eingeladen hat. Angesichts dieser Liste mag man auch ermessen, welchen Glücksfall das IWM für das Geistesleben Wiens in den vergangenen Jahren bedeutet hat und auch in Zukunft noch bedeuten wird. Am Freitagabend wurde das Jubiläum des Institutes im Wiener Palais Schwarzenberg gefeiert, und zwar, wie es sich für eine Institution von seinem intellektuellen Zuschnitt gehört, nicht nur mit Büffet und Sekt (aber auch mit Büffet und Sekt), sondern auch mit geistiger Nahrung. Darüber mehr am Montag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 4. 2002)