Edinburgh/San Diego - Gleich zwei Forschergruppen legen neue Methoden vor, um dem Leben in Zellen und Embryonen besser zusehen zu können als je zuvor: Eine am Western General Hospital in Edinburgh setzt auf optische Projektionsmikroskopie, die andere, an der University of California in San Diego, auf Markierung von Eiweißen (vgl. Science). Das Ergebnis gibt ungekannte Einblicke in die Mechanismen des Lebens.Der Medizinforscher James Sharpe in Edinburgh stößt mit seiner Mikroskopietechnik in nie gekannte 3-D-Darstellungen etwa von Mäuseembryonen vor. Bislang war ab einer gewissen Gewebedichte Ende mit der Beobachtung - zumindest bei lebenden Organismen. Mit der neuen Methode können die Forscher quasi zusehen, wie sich Nervenzellen vernetzen, wie Gene miteinander interagieren usw. Und so funktioniert das neue Verfahren: Das Untersuchungsobjekt, sagen wir ein Mausembryo, rotiert in einen Zylinder aus einem optisch wenig verzerrenden Medium um die Achse in 0,9 Grad kleinen Schritten. Dabei wird, vereinfacht gesagt, Licht durchgeschickt. Die Linsen des Mikroskops bündeln das Resultat auf einen optischen Chip. Da sich die eingesetzte Fluoreszenz-Mikroskopie - anders als etwa das bildgebende Verfahren der Magnetresonanz - auch für eingefärbte Gewebe eignet, können die Forscher aus dem entstehenden Bild jene Farben und somit Organe herausfiltern, die sie untersuchen wollen. Mit Computerunterstützung lassen sich so etwa 3-D-Bilder des Darms anfertigen, die dann gleichsam im Raum schweben. Die neue Technik der zweiten Forschergruppe um den Neurowissenschafter Mark Ellisman in San Diego kombiniert biochemische Verfahren zur verfeinerten Markierung mit modernster Mikroskopiertechnik. Damit lassen sich im Elektronenmikrosokop zum Beispiel ältere von jüngeren Eiweißmolekülen an der gewählten Farbe unterscheiden, und einzelne Entwicklungsschritte auf Zellebene in Echtzeit beobachten. Gezeigt wurde dies an genveränderten Proteinen in lebenden Zellen. Nun wollen die Forscher beweisen, dass ihre Methode praktisch jedes Eiweiß und damit viele Prozesse in Zellen sichtbar machen kann. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 4. 2002)