Paris - Der Name von Jean-Marie Le Pens Partei ist seit 30 Jahren Programm: Die Front National ist eine politische Kampftruppe mit ausländerfeindlichem Profil, deren Führerfigur gerne kriegerische Worte benutzt. Alle "patriotischen Franzosen" sollten sich an der "Schlacht für den zweiten Durchgang" der Präsidentschaftswahl am 5. Mai beteiligen, hämmerte der bullige Bretone Le Pen den Wählern am Sonntagabend ein, das "Duell" zwischen Präsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin sei Vergangenheit. Zu den politischen Zielen der FN gehört die Wiedereinführung der Todesstrafe und die Aufkündigung des Maastricht-Vertrages. Le Pens Partei macht sich seit Jahrzehnten Ressentiments gegen in Frankreich lebende Ausländer, Gefühle von sozialer Unsicherheit und Entwurzelung zunutze. Ihr Wählerpotenzial stieg von wenigen hunderttausend in den 70er Jahren auf weit über vier Millionen. Auch mit 73 Jahren beansprucht Le Pen die uneingeschränkte Führerschaft in der FN. Als sich sein langjähriger Vasall Bruno Megret 1998 gegen ihn stellte, wurde er ausgeschlossen. Megret und Le Pen überzogen sich mit Prozessen. Le Pen ließ sich gerichtlich den Parteinamen sichern, den Megret samt Parteikasse mitnehmen wollte. In der vergangenen Woche gewann Megret eine Beleidigungsklage gegen Le Pen. Seit 1999 sind Le Pens FN und Megrets Mouvement National Républicain (MNR) gespalten, beide Parteichefs bewerfen sich öffentlich mit Schmutz. In der Nationalversammlung sind die Rechtsradikalen bisher nicht vertreten. Diese Faktoren führten zu der Einschätzung, sie hätten bei der Präsidentschaftswahl keine Chance. Aber Le Pen weiß 60.000 Parteimitglieder hinter sich. Er steht an der Spitze einer straffen Organisation, die in vielen Regionen den Marsch in die Institutionen geschafft hat.(APA)